19. Januar 2011 von ci2f3e christliches-web2010 3

How r u 2day Momma?

von Melanie Beyer und Anna Hellge

Mama Mary's Fanpage

Mama Mary's facebook Profil

Dienstag, der 28.12.10. Mama Mary hat 2,167,735 Fans auf facebook. Ein prominentes Party-Häschen? Soap Star? Eine Rocklegende? Nicht im Geringsten. Mama Mary ist keine andere als die Heilige Mutter Maria und verfügt über eines der am höchsten frequentierten Profile in den Weiten des sozialen Netzwerks. Teenie-Schwarm und Vegetarier-Vampir Edward Cullen schafft mit Ach und Krach grad einmal die Hälfte.

Aber wie ist so ein Profil einer religiösen Leitfigur eigentlich aufgebaut? Wie sieht die virtuelle Form der Anbetung aus? Wie sprechen ihre „Kinder“ mit ihr? Und viel wichtiger – antwortet sie? Im Rahmen der Veranstaltung Is Online Fellowship Real? Christliche Web-2.0 Anwendungen als religionswissenschaftlicher Gegenstand und religionsgeschichtliche Quelle haben wir uns unter hunderten (!) von Seiten, die der Heiligen Mutter Maria gewidmet sind, ein paar große herausgepickt und sie einmal genauer unter die Lupe genommen.

Es ist 8:43 am Morgen des nächsten Tages und Mama Mary hat bereits 45 Einträge auf ihrer facebook Pinnwand (Im Vergleich: ich habe keinen). Manche schreiben nur um einmal „hi“ zu sagen, viele bedanken sich für die treue Leitung oder gestehen einfach nur ihre Liebe. („I love u mommy!“) Hier und da gibt es Anfragen für die Hilfe bei der Bewerkstelligung meist alltäglicher Hindernisse: „Dear Momma Mary, please remove my left tummy ache. Thnx and I love you!“ Oder aber „Mama Mary, please help me pass my Maths test tomorrow.“

Inzwischen ist es kurz nach neun und die Einträge häufen sich. Ein Mädchen schreibt sie sei Model und Stylistin und suche nach Freunden, die Mama Mary genauso verehren wie sie. Auch Spam gibt es hier – eine Handtaschen-Werbung taucht auf. Aber Konsumgüter scheinen bei dieser Community nicht zu punkten. Der Kommentar zur Werbung: „I don’t like handbags.“

2,200,725 Fans. Was auf den zweiten Blick interessant erscheint: Dem Namen nach zu schließen, stammt ein Großteil der Community aus spanischsprachigen Ländern – dennoch richten fast alle ihre Grüße und Bitten an Maria auf Englisch. Zwar ist das Profil an sich auf Englisch angelegt – aber spricht die Mutter Jesu nicht die Sprache eines jeden ihrer Kinder? Vorerst werden wir dies hier nicht herausfinden, denn Maria genießt – und schweigt.

Anders auf einem weiteren für sie angelegten Profil – hier spricht Maria auf ihrer Pinnwand tatsächlich höchstpersönlich zu ihren Kindern.

Screenshot einer Fanseite der heiligen Maria

Die heilige Maria spricht zu ihren Kindern - ein Wunder?

Tagtäglich ruft sie in ihren Einträgen zu Ergebenheit und Gottestreue auf. Schaut man sich allerdings einmal die Infobox an, so fällt einem ihre E-Mail Adresse ins Auge. Die lautet seltsamerweise nicht etwa mothermary@holykingdom.amen sondern gehört zu einem jungen Mann, der dann und wann auch unter seinem eigenen Namen die „Armee-Gottes“ proklamiert. („ Please evryone, invite all your friends to join this page. Lets all reach 1million. We are all in the army of Christ. Our kingdom/home is heaven, Christ is the King and Mary is the general“ 18. May 2010)

Unser Interesse an dem jungen Mann ist geweckt und wir werfen einen Blick auf sein Profil. Das Augenmerk fällt auf seine musikalischen Interessen: hier wird Papst Johannes Paul (der Musiker?) gefolgt von Katy Perry. Diese ist zwar Pfarrerstochter, küsst aber - wie die meisten sich sicher erinnern können - gern auch mal ein Mädchen und müsste somit eigentlich in der Hölle schmoren?!

Kontroversen gibt es aber nicht nur im Bereich der Populärmusik, sondern auch in den Diskussionsforen. Beliebte Themen: Atheismus, Bibelpassagen und jegliche Formen von Sünde (inklusive Atheismus). Auf unser selbst gepostetes Diskussionsthema, ob denn facebook ein adäquater Ersatz für den Kirchgang sei, gab es leider keine Antwort. Schade!

Diese neue Form der Verehrung der Mutter Gottes ist ohne Zweifel ein Resultat der Medialisierung der Gesellschaft. Das Internet spielt in beinahe jedem Bereich des Lebens eine Rolle – somit natürlich auch in der Religion. Doch ist das eine akzeptable Art, eine religiöse Figur auf modernem Weg zu verehren? Reicht es, Gebete zu tippen anstatt die Hände zu falten? Ist das noch echte Nachfolge? Und wer darf das eigentlich beurteilen? Das wollten wir genauer wissen und sprachen mit dem katholischen Pfarrer einer Bremer Gemeinde.

Seine Meinung: “das ist doch alles Quatsch”. Was er sonst noch dazu sagt, lest ihr hier…