23. September 2011 von Melanie Beyer postmortalitaet2011 3

Was kommt nach dem Tod? Ein Vergleich von keltischen und germanischen Vorstellungen.


Was passiert, wenn der Mensch stirbt? Was passiert mit den menschlichen Überresten? Ist das Leben nach dem Tod beendet? Ist der Tod vielleicht doch nur der Übergang in eine andere Seinsform?

Ich wage zu behaupten, dass dies die zentralen Fragen sind, die eine Kultur oder eine Religion versuchen muss zu beantworten, in der Vergangenheit, in der Gegenwart, wie auch in der Zukunft. Menschen haben zu jeder Zeit die Erfahrung gemacht, dass sie nicht alles, was in der Welt passiert, erklären können. Der Tod eines Menschen stellt dabei eine ganz entscheidende Erfahrung dar. Eine geliebte Person stirbt und ist damit nicht mehr zugänglich, man kann nicht mehr mit ihr kommunizieren, keine Zeit mehr mit ihr verbringen. Unter Umständen kann dies eine sehr schmerzvolle Erfahrung sein, die der Mensch nicht einfach so akzeptieren kann. Religionen liefern ganz unterschiedliche Ansätze und Bewältigungsstrategien. Ich habe bei außerkirchlichen Bestattungen heutzutage erlebt, dass selbst diese nicht von einer Endgültigkeit des Todes reden können. Selbst weltliche Trauerredner versuchen mit der Aussicht auf ein Wiedersehen Trost zu spenden. Es gibt Menschen, die an eine Wiedergeburt in einem anderen Körper, Tier oder einer Pflanze glauben, andere an einen Himmel und Hölle, andere glauben wiederum an ein Nirwana oder die Erlösung aus dem Leid der Welt. Postmortalitätsvorstellungen können sehr unterschiedlich aussehen, sind abhängig vom kulturellen Kontext und unter anderem können sie einem durchschnittlichen Mitteleuropäer sehr abwegig vorkommen. Im Seminar „Postmortalitätsvorstellungen“ in diesem Sommersemester an der Universität Bremen haben wir versucht, uns verschiedenen Traditionen zu nähern und diese zu verstehen. In diesem Blogeintrag möchte ich nun versuchen, zwei Ansichten gegenüber zu stellen; die der Germanen und die der Kelten. In diesen beiden Volksgruppen treten teilweise die gleichen Phänomene und kleinere Ähnlichkeiten auf, so dass man fast der Ansicht sein könnte, dass es sich um die gleichen Überzeugungen handelt.

Unleugbare Ähnlichkeiten (z.B. findet man bei Kelten und Germanen Grabhügel) machen deutlich, dass man hier möglicherweise von einander abgeguckt hat. Dennoch erkennt man zwei verschiedene Vorstellungen, die im annähernd gleichen geographischen Gebiet und zur teilweise gleichen Zeit nebeneinander existierten.

Die Kelten tauchten ca. 800 v.Ch. das erste Mal in Erscheinung. Ihre Spuren kann man bis ins erste Jh. n.Ch. nachweisen. Mit der Christianisierung veränderten sich, wie auch bei den Germanen, die religiösen und kulturellen Phänomene und Überzeugungen. Besonders in Schweden und Finnland waren die Germanen anzutreffen, vorwiegend jedoch lebten sie im Westen des heutigen Deutschlandes, weswegen unser Land bei unseren europäischen Nachbarn heute noch „Germany“ oder „Germania“ heißt. Auch die Bezeichnungen „Allemania“ oder „Allemagne“ gehen auf den germanischen Stamm der Alemannen zurück. Weitere große und wichtige Stämme waren die Burgunder, Thüringer, Bayern, Langobarden, Friesen und Sachsen, die sich zudem zwischen 481 bis 818 auch in Frankreich ansiedelten. Aus dem Osten breiteten sich die Germanen vor ca. 2500 Jahren über ganz Europa aus. Heinige Historiker vermuten, dass die Germanen  ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. eine einheitliche Sprache sprachen, die als Grundlage des heutigen Deutsch beschrieben wird. Interessant ist, dass sich irgendwann alle Stämme als Germanen bezeichneten, woraus man heute auf ein Zusammengehörigkeitsgefühl der Sippen und Stämme schließt. Trotzdem sicherte sich jeder Stamm seine Unabhängigkeit, indem das Leben auf einem Hof oder in einem kleinen Dorf zu anderen abgegrenzt war. Alle Stämme bestanden aus Bauern, Viehzüchtern, Ackerbauern und Kriegern. Bei den Kelten und Germanen muss man festhalten, dass es keine fundierte Quellenlage gibt. Mitglieder der betreffenden Stämme haben keine schriftlichen Quellen hinterlassen. Aus den für beide Volksgruppen  archivierten archäologischen Funden kann man jedoch zahlreiche Erkenntnisse gewinnen. Autoren von schriftlichen Quellen sind fast ausschließlich Mitglieder der römischen Besatzungsmacht oder bereits zum Christentum konvertierte Kelten und Germanen. Im Vergleich der beiden Fälle muss man davon ausgehen, dass sie kein objetives Bild über die Weltanschauung, die Religion und die tatsächlichen Überzeugungen der zu untersuchenden Völkergruppen liefern. In der Tat war es Caesar (100 v.Ch. bis 44 v.Ch.), der zum ersten Mal den keltischen Totengott Ogmios erwähnt. Diese Außenperspektive  ist wegen dessen Nicht-Involviertheit jedoch problematisch. Dieser beschreibt ihn als dunkelhäutigen, runzeligen, kahlköpfigen Greis mit Löwenfell, Keule, Köcher und Bogen, der die Toten an einer Kette aus Gold und Bernsteinen in die Unterwelt geleitet. Die Wissenschaft weiß eine Menge über die germanischen Traditionen von dem römischen Historiker Tacitus, der ca. 58. n.Ch. lebte, und von Julius Caesar, in dessen Lebenszeit auch zum ersten Mal das Wort “Germanen” auftaucht (90.v.Ch.).

Wohin geht der Mensch nach dem Tod?

Für die Germanen war der Tod kein endgültiger Abschied. Der Verstorbene blieb auch nach seinem Ableben noch Teil der Gemeinschaft. Zu erwähnen ist, dass die Germanen in Sippen organisiert und die Mitglieder nahezu gleichberechtigt waren. Die Familie war der zentrale Lebensinhalt und der Zusammenhalt innerhalb dieser überlebenswichtig. Führten Verwandte Krieg gegeneinander, was äußerst selten vorkam, war es eine Schmach für die ganze Sippe. Die Ahnen waren aus dieser Gemeinschaft nicht entlassen, sie spielten eine wichtige Rolle. Oft bekam der Enkel den Namen des Großvaters, oder auch den des Vaters, wenn der bereits verstorben war. Nicht umsonst bedeutet Enkel „kleiner Ahn“ (siehe Maier, Die Germanen). Talente und Geschicke waren nichts eigenes, persönliches, sondern wurden nach Ansicht der Germanen immer weiter gegeben und gehörten zur Sippe. Wer Teil einer Sippe war, war Teil eines größeren Ganzen. Es war sehr wichtig, auf welche Art und Weise ein Mensch ein Leben im diesseitigen Leben beendete. Der sogenannte Strohtod, bei dem der Sterbende im eigenen Bett verscheidet, galt zum Beispiel als Schmachtod. Um einen solchen zu verhindern, legte man den Sterbenden auf den Fußboden, oder man führte ihm mit einer Lanze eine Wunde zu. Dieser Brauch geht auf den Umgang mit Kriegstoten zurück: Wer im Kampf stirbt, wird direkt in das Totenreich Walhall geholt. Die Vorstellung war dabei, dass der Krieger samt seiner Rüstung und seinen Waffen in dieser Unterwelt weiter existiert. Am Tage bestritten diese Krieger Kämpfe, aus denen sie immer als ehrenvolle Helden hervorgingen und am Abend wurden sie von Walküren mit Bier bedient. Der Alkoholgenuss spielte hier eine große Rolle.

In Walhall herrschte der Kriegsgott und höchste Gott Odin (oder auch Wodan, siehe Maier, Die Germanen), dessen Symbol der Speer war. Die Zuführung einer Wunde auf dem Sterbebett sollte die Sterbenden in dieses Totenreich nach Walhall führen. Diese mit dem Speer zugeführte Wunde nannte man dementsprechend auch Wodanswunde. Jeder Gott hatte für die Germanen eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. So gab es einen Fruchtbarkeitsgott oder auch einen Schutzgott. Dennoch gab es keine strikte Hierarche unter den Göttern, sie herrschten gemeinsam. Man war davon überzeugt, dass ein Gott allein die Geschicke der Menschen und der Götter nicht leiten könne. Götter hatten eine menschliche Gestalt, heirateten und bekamen Kinder, führten auch Kriege gegen Riesen. Jedem Gott wurde zudem ein Begleittier zugeordnet. Die Sitte, Alte, Kranke und Schwache zu töten, damit sie der Sippe nicht mehr zur Last fallen, ist wenig belegt, aber auch in der Literatur zu finden. Außer dem Walhall gab es noch andere Totenreiche in der Vorstellung der Germanen. Es gab Schiffbestattungen bei den germanischen Küstenbewohnern, die sich ein Totenreich jenseits der Meere vorstellten.

Ein weiterer Jenseitsort war Folkwang, in dem die Göttin Freyja wohnte. Freyja war zudem die Gemahlin Odins. Folkwang wurde sich als schöner Ort mit grünen Auen vorgestellt. Diese Vorstellung hat wahrscheinlich einen Einfluss auf die christliche Paradiesbeschreibung genommen, genau belegen kann man dies aber nicht. Gut belegt ist zudem bei den Nord- Süd- und Ostgermanen die Vorstellung des Totenreiches „Hel“ welches nach der Christianisierung wahrscheinlich zur Hölle wurde. Hier herrschte die gleichnamige Göttin Hel. Dies war jedoch kein Ort der Bestrafung. Die Vorstellung, dass das moralische Verhalten im Diesseits eine Auswirkung auf das Sein in einer jenseitigen Welt hat, fehlte bei den Germanen vollkommen. Ein Toter musste allerdings nicht nur in einer dieser Welten leben. Es war durchaus üblich, den Verstorbenen in mehreren Welten zu lokalisieren. Die Frage, in welche Unterwelten man nach dem Tod gelangte, war nicht nur von der Todesart abhängig, sondern auch vom sozialen Status, Geschlecht und von den Grabbeigaben der Hinterbliebenen. ob man einen Heldentod erlitt und welcher Nachfahre den Namen des Verstorbenen weiter trägt. spielte auch eine Rolle. Ertrunkene hatten zudem ein eigenes Totenreich namens Ran. Helden kamen zu Odin, Knechte zu Thor, wenn sie ihren Herren nicht folgten, Frauen zu Hel und Jungfrauen zu Freyja (wobei auch andere Frauen zu Freyja kommen konnten).

Parallelen zu den keltischen Vorstellungen lassen sich anhand des Beschriebenen bereits feststellen. Der Tod wird hier auch als Fortsetzung des diesseitigen Lebens betrachtet. Allerdings betrifft dies hier nicht nur die Heldentoten, sondern jeden Menschen. Wie auch bei den Germanen waren die Toten weiterhin Teil der familiären Gemeinschaft. Die Trennung zwischen Menschen und Ahnen ist nicht deutlich. Das Jenseits, welches oft als “Annfn” oder “Annwn” benannt wurde, ist nicht klar lokalisiert. Das Wort an sich kann „große Tiefe“, „ Nicht-Welt“ oder auch “Innen-Welt” bedeuten. Es gab Vorstellungen, Annwn sei inmitten der diesseitigen Welt und nur nicht sichtbar für sterbliche Augen, also eine der Menschenwelt parallele Geisterwelt. Die irische Bezeichnung für Annwn war auch „sid“. Eine weitere Vorstellung war, dass Annwn weit weg sei vom Lebensraum der Sterblichen. Auch die Vorstellungen einer Toteninsel sind gut belegt. Wie Walhall wird in verschiedenen Texten das Sid als prächtiger und wunderschöner Ort beschrieben, Speisen und Getränke gäbe es im Überfluss.

Das Fehlen von Krankheit, Alter, Krieg und Not war auch hier charakteristisch. Hier ist ein wichtiger Unterschied zum germanischen Walhall deutlich. In Walhall, wo ausschließlich die toten Krieger hingelangten, und Krieg ein zentraler Punkt war, wurden die Krieger als körperlich genauso angenommen, wie sie auf dem Schlachtfeld ihr Leben ließen. Die wichtigste Gemeinsamkeit ist, dass es an Nahrungsmitteln nicht fehlte und außerdem, dass auch das Annwn (oder auch Sid) kein Ort der Bestrafung für ein diesseits unmoralisches Leben war. Allerdings gab es im keltische Annwn keine reine Fortsetzung des diesseitigen Lebens, sondern  es war der Lustort schlechthin, mit viel Musik und Tanz. Auch hier könnte man vermuten, dass das Annwn als Vorbild für das spätere christliche Paradies diente. Jenseitsvorstellungen findet man jedoch überwiegend bei den inselkeltischen Traditionen. Hier wird die Anderswelt (Annwn) nicht von der realen Welt getrennt beschrieben, sondern im Hier und Jetzt. Sie sei aber mit sterblichen Augen nicht erkennbar. Annwn war dabei nicht zeitlos, aber von der Zeit der realen Welt unabhängig.

Einen zentralen Unterschied kann man auch im Umgang mit Kriegstoten erkennen. Bei den Kelten war es ehrenvoll, im Kampf zu sterben, doch konnten die Kriegstoten nur ins Jenseits gelangen, indem man ihre Körper auf dem Schlachtfeld verrotten und von Vögeln fressen ließ. Es gibt vereinzelt Beschreibungen, dass man Kriegstote in einem kleinen viereckigen Grab in der Nähe des Flusses Alaw erdbestattete. Dies gilt höchstwahrscheinlich nur für Völker, die auch in der Nähe dieses Flusses lebten. Was genau mit den Leichen germanischer toter Krieger geschah, ist nicht extra beschrieben. Daraus könnte man schließen, dass es keinen Unterschied zum Rest der Bestattungen gab. Es gibt Belege, dass Krieger, wie viele andere auch, in Hügelgräbern bestattet wurden. Wie mit den Leichnamen verfahren wurde, lässt viele Schlüsse auf die Nachtodvorstellung zu und auch hier kann man bedeutende Gemeinsamkeiten und Unterschiede erkennen.

Wie verfährt man mit einem Leichnam?

Bei den Germanen und Kelten war es üblich, den Leichnam nicht sofort zu bestatten. Man brauchte Zeit, um alles für das Totenritual und das Totenfest vorzubereiten. Die Vorbereitungszeit war sehr unterschiedlich. Es gibt germanische Quellen, wo von 20 Tagen die Rede ist und in denen der Leichnam in einem provisorischen Erdgrab liegt. In diesem Provisorium muss er die ganze Zeit mit Musik, Essen, Trinken und Tanz bei Laune gehalten werden.

Bei den Kelten war es zum Teil auch üblich, die Leiche fernab vom Wohnort vorher verwesen zu lassen, was je nach Jahreszeit schneller und langsamer von statten ging. Die Leiche musste in der Zeit der Verwesung gemieden werden. Generell ist allerdings zu sagen, dass gerade auch keltische Bestattungsriten zwar konstant und über Jahrhunderte auf die gleiche Art und Weise vollzogen wurden, es regional jedoch Unterschiede gab. In verschiedenen Epochen gab es zudem auch Änderungen und Abweichungen. In der sogenannten Hallstattkultur war es üblich Hügelgräber anzulegen. Bis heute prägen diese viele Landschaften Irlands. Bei dieser Art Grab war es üblich, dass jeder Teilnehmer der Totenfeier einen Stein auf das Grab legte. Allerdings hatten nur sechs Prozent der Kelten ein Anrecht auf ein solch aufwendiges Grab. Grabhügel schlossen in nördlicher Richtung mit einem Kreisgraben ab, was eine Wiedergängerei erschweren sollte. Wie auch bei den Germanen konnte man an der Art der Bestattung den sozialen Status des Verstorbenen erkennen. Ein Bericht über ein Bestattungsritual der Kelten liefert Julius Caesar. Er zeigt seine Bewunderung in Bezug auf die Beisetzung von hoch gestellten Persönlichkeiten. Ein Toter durfte während der zweitägigen Totenklage nicht allein gelassen werden. Beim Totenschmaus handelte es sich zudem um eine äußert fröhliche Angelegenheit. Die Teilnehmer wurden mit Alkohol, Rauch- und Schnupftabak bewirtet, es gab Tanz und Musik, Lieder, Spiele und Geschichten. Diese Feier sollte zudem nicht länger als zwei Stunden dauern, um den Höllenhund nicht auf den Verstorbenen aufmerksam zu machen. Widersprüchlich in den Quellen ist dagegen die Beschreibung, die Zeit des Trauerns sei bei den Kelten eine Zeit des Fastens. Auch nach der Totenzeremonie war es noch möglich, dem Verstorbenen Speisen zu geben. Diese wurden vor das Haus gestellt. Der Verstobene kam dann, in der Verstellung der Kelten, in Gestalt eines Vogels, um die Speisen zu sich zu nehmen. Bei den inselkeltischen Überlieferungen wurde die Hügelbestattung von der Brandbestattung abgelöst. Die Urne wurde dann in einem bereits bestehenden Hügelgrab beigesetzt. Ein altes irisches Sprichwort sagt  heute noch: es gibt drei Dinge, die die Welt erneuern: Der Schoß einer Frau, der Euter der Kuh und der Herd eines Schmiedes. In der Hallstattzeit wurde dann jedoch die Verbrennung der Leiche durch die Körperbestattung verdrängt. Bei keltischen Bestattungen waren der Personenkreis, zum Beispiel bei Familiengräbern/ Familiengrabhügeln, der Ort des Grabes, ob eine Brand- oder Erdbestattung durchgeführt wird, und in welcher Lage und Orientierung der Leichnam liegen sollte, vorgegeben. Je nach Epoche wurden diese Fragen nach der Art der Bestattung unterschiedlich beantwortet. Bei den Kelten gibt es sehr wenige Kindergräber. Dies hängt damit zusammen, dass man nicht sofort nach der Geburt ein Teil der Gemeinschaft war.

Dieses Phänomen kann man auch bei den Germanen erkennen. Hier durfte der Vater nach der Geburt entscheiden, ob das Kind kräftig und gesund genug sei, um zu leben. Wenn er diese Fragen verneinte, wurde das Kind ausgesetzt. Erst neun Tage nach der Geburt entschied sich der Vater für den Namen des Kindes. Dies war eine wichtige Entscheidung war, denn Namen hatten eine wichtige Bedeutung und sollten zu der Familie und den Interessen der Sippe passen.

Bei den Kelten gab es diese Tradition nicht. In der bereits erwähnten hallstattlichen Zeit wurden bei der Totenzeremonie große Weinkrüge zerschlagen und die Scherben mit in das Grab gelegt. Die Bedeutung ist nicht ganz genau geklärt. Möglicherweise galten die Scherben der Weinkrüge als Zeugen für das rauschende Fest. Möglich ist auch, dass die Knochen des Verstorbenen mit dem Wein rituell gereinigt wurden, oder der Wein zum Löschen der Brandstätte gedient hat. Möglicherweise trifft auch beides zu. Die Leichenwäsche spielte auch bei den Germanen eine wichtige Rolle. Diese wurde jedoch mit Wasser, dem Symbol für das Leben, durchgeführt, was für die postmortale Lebendigkeit sorgen sollte. Außer Scherben bekam ein gut gestellter Toter noch allerlei anderer Dinge mit in sein Grab. Was dem Verstorbenen am Herzen lag, wurde mit bestattet, sowie Diener und Sklaven, die nach der Feier verbrannt wurden. Unterscheiden muss man zwischen realen und symbolischen Grabbeigaben. Manche Gegenstände wurden vor der Bestattung bewusst unbrauchbar gemacht und so einer profanen Nutzung entzogen, was darauf schließen lässt, dass man sich die andere Welt nicht analog zur diesseitigen Welt vorstellte. Wichtige Beigaben waren zudem Bernsteinketten (wie bereits erwähnt führt Ogmios die Toten an solch einer in die Unterwelt), schadenabwehrende Amulette und glücksbringende Talismane. Diese waren allerdings ausschließlich Bestandteil des Totenbrauchtums und wurden oft extra für die Bestattung angefertigt, wohingegen Amulette etwas sehr persönliches und dem Toten zu Lebzeiten schon wichtig waren, weswegen solche nie weiter vererbt worden. Amulette findet man zudem besonders bei Kinderleichen oder Leichen besonders junger Frauen. Von der späten Hallstattkultur bis zur spätkeltischen Zeit war es üblich, die Toten in einer Holzkiste zu bestatten. Viele dieser Kisten nahmen überdimensionale Formen an und glichen ganzen Wohnhäusern, was darauf schließen lässt, dass man sich vorstellte, der Tote lebe in dieser Kiste weiter. Andersherum gab es euch Leichen, die in Miniaturhäusern bestattet wurden. Kinder bekamen manchmal viel zu große Schuhe mit ins Grab, in der Vorstellung, der Körper des Kindes würde noch wachsen. Auch kleine Rehkitze, möglicherweise als Spielgefährten, fand man in Kindergräbern. Nicht vergessen darf man die Unmengen an Speisen und Getränken, die in einigen Hügelgräbern der Kelten gefunden wurden. Das Fürstengrab von Hochdorf ist das Paradebeispiel für ein Übermaß an Grabbeigaben. Nicht schlüssig ist, ob in der Vorstellung der Kelten die Toten diese Nahrungsmittel selber benötigten, um auf dem Weg in die andere Welt nicht zu verhungern oder, und das ist die wahrscheinlichere Variante, um ihren Einstand in der anderen Welt gebührend zu feiern. Dies wäre die plausiblere Erklärung dafür, dass mehrere Becher und Teller mit im Grab gefunden wurden. Neben dem bereits erwähnten Ogmios gab es den Gott Dagda, den Herrscher über das Totenreich, der auch den Vorsitz beim Einstandsfest eines jeden Neuankömmlings hat. Er galt als Sonnen- und Ahnengott. Grabbeigaben wurden offensichtlich aus Liebe zum Verstorbenen gegeben, aber auch aus Angst vor dem Verstorbenen. In der süddeutschen Region sind auch Gräber ohne Grabbeigaben gefunden worden. Hier war nicht Verarmung der Grund dafür, sondern es herrschte offensichtlich die Meinung, dass Grabbeigaben die Reinkarnation verzögern oder gar verhindern. Die Beisetzung fand am 7., 9., 30. oder 40. Tag statt, je nachdem, wie aufwendig die Bestattung vorbereitet werden musste. Bestattungsorte befanden sich immer außerhalb der Wohnsiedlungen, aber dennoch immer in unmittelbarer Nähe zu dieser. Die Verbindung zu den Verstorbenen sollte nicht vollkommen zerschlagen werden. In den Jahreszeiten des Übergangs, im Herbst und im Frühling, waren nach keltischen Ansichten die Tore zwischen der Anderswelt und der diesseitigen Welt geöffnet. Dann konnten die Lebenden in die Welt der Toten gelangen und auch wieder zurück kommen. In jeder Heldenbiographie darf ein Aufenthalt in der Anderswelt nicht fehlen. Als Zugänge zur anderen Welt zählten Seen, Höhlen oder Quellen. Halloween wird auf diesen Glauben zurückgeführt. Die Lebenden stellen dann Stühle, Essen und Trinken bereit, damit die Verstorbenen es gemütlich haben. Es sollte jedoch zu keinem Kontakt kommen, denn das galt es schlechtes Omen. Um dies zu verhindern waren diese besonderen Schutzriten nötig. Wie fließend der Übergang zwischen den beiden Welten gedacht wurde, kann man in der Episode von Étaíns Entführung durch den Elfenfürsten und ehemaligen Gott Midir aus der Étain nachlesen. Die Germanen fürchteten sich davor, dass die Toten noch einmal das Haus betraten. Sie waren davon überzeugt, dass der Tote nur durch den Weg in das Haus wieder hinein kommen kann, durch den er auch hinaus gegangen war. Darum beförderte man die Toten durch ein eigens dafür gemachtes Loch in der Hauswand, welches man im Anschluss wieder verschloss. So konnte der Tote nie wieder ins Haus gelangen. Die Bestattungsformen der Germanen änderten sich im Laufe der Zeit. Bis 1200 v.Ch. bestattete man die Toten in Holz- oder Steinsärgen, die mit einer Grasschicht und Leder ausgelegt waren. Männern wurden Waffen und Frauen Schmuck mit in Grab gelegt. Einige Parallelen zu den Kelten findet man zudem bei den Gaben von Nahrungsmitteln. Auch die Germanen legten Speisen und Getränke für den Weg ins Jenseits hinein. Man gab dem Verstorbenen alles mit, was er brauchte. Interessant ist, dass auch die Germanen Grabhügel errichteten, die riesige Ausmaße annehmen konnten. Bei hochgestellten Persönlichkeiten gab man auch andere Menschenknochen in diese Hügel, möglicherweise die der Sklavinnen und Diener. In der jüngeren Bronzezeit verbrannte man auch die Leichen, es gab weniger Grabbeigaben und auch hier legte man die Urnen in bereits bestehende Grabhügel. Ab dem 1. Jh. n.Ch. kamen wieder die Erdbestattungen auf, Verbrennungen führte man aber auch durch. Ab 400. n.Ch. war es üblich, Findlinge als Bildsteine für Gräber zu benutzen. Berühmt sind die Bildsteine von Gotland, die auch als Vorreiter unserer heutigen Grabsteine gedacht werden können. Das Wort „Seele“ taucht nur bei den Süd- und Ostgermanen auf, während der Glaube an die Wiedergeburt nur im Norden verbreitet war. Ob der Begriff „Seele“ wirklich auch im Wortschatz der Kelten und Germanen zu finden war, ist fragwürdig. Caesar ist der Einzige, der von den keltischen Druiden behauptet, dass sie an eine Art Seelenwanderung glaubten. Der Glaube an Wiedergänger war allerdings in beiden Kulturen stark ausgeprägt. In beiden Vorstellungen waren Menschen, die zu Lebzeiten bereits böse waren, auch postmortal böse. Sie wurden vor der Bestattung rituell gefesselt und verstümmelt, ihre Knochen teilweise getrennt voneinander bestattet. Bei keltischen Funden handelte es sich um von einem Felsbrocken zerquetschte Köpfe, Tote wurden enthauptet und ihre Köpfe zwischen Knie oder Beine gelegt. Man ist sich aber nicht einig darüber, ob es sich bei manchen Funden nicht doch um Leichen von Opferrituale handelt. Die Germanen verteilten die Asche von verbrannten Verbrechern im Meer oder vergruben sie fernab von Menschen. Einer germanische Sklavin, die ihrem Herren in den Tod folgte, war es gestattet, 10 Tage vor der Bestattung sexuell sehr ausschweifend zu leben, da sie sonst ein potenzieller Wiedergänger wäre, der nach dem trachtet, was ihm im Leben verwehrt geblieben war. Solche konkreten Erklärungen wären für die keltische Kultur genauso denkbar. In beiden Kulturen sind junge Frauen, Kinder, zu früh Gestorbene, Mütter im Kindbett und Jungfrauen potentielle, gefährliche Wiedergänger, wie auch geistig Verwirrte, Hingerichtete und Ermordete. Böse Menschen, Verbrecher und Gewalttäter waren es allerdings auch, weil sie im Leben auch schon böse waren und nicht ablassen können, den Lebenden weiterhin Böses anzutun. Bei den Germanen herrschte zusätzlich der Glaube, dass ein Toter andere Menschen nachholen könne. Der Sohn eines Toten musste seinem Vater von hinten die Totenhilfe leisten (Augen zudrücken, Tuch über Kopf legen), damit er nicht aus Versehen in das Blickfeld des Verstorbenen gelangen konnte, dieser ihn dann ausersah und nachholte. Der Tote trachtete jedoch auch nach seinem Tod nach dem Kontakt zu seiner Familie. Das Nachweinen von Angehörigen ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Das Erscheinungsbild eines Wiedergängers stellte man sich so vor, wie das eines normalen Menschen, allerdings mit unermesslich gesteigerten Kräften. Er konnte seine Gestalt wechseln und plötzlich auftauchen und verschwinden. Ein Feuerbrand verscheucht Wiedergänger. Solche konkreten Vorstellungen sind von den Kelten nicht belegt.

Fazit

Die Germanen und die Kelten waren zwei unterschiedliche Völker. Davon können auch die vielen parallelen Phänomene nicht ablenken, die man in Bezug auf die Bestattungsrituale und Jenseitsvorstellungen finden kann. Die Nutzung von Grabhügeln ist wohl eine der großen Prallelen. Die Angst vor Wiedergängern scheint diese zwei Völkergruppen auch zu verbinden. Doch wie sie im Endeffekt damit umgegangen sind zeigt, wie unterschiedlich der Glaube war. Warum man zu einem Wiedergänger wird und wie man Wiedergängerei verhindert, scheint auf beiden Seiten unterschiedlich gehandhabt worden zu sein. Eine weitere Gemeinsamkeit liegt in der Tatsache, dass man die Toten nicht sofort bestattete, sondern sich Zeit nahm für die Vorbereitungen der Bestattung. Doch während die einen den Leichnam mieden, wollten die anderen ihn bei Laune halten. Die Veränderungen in den Formen der Bestattungen sind eindeutig. Im Laufe der Jahrhunderte wandelten sich die Überzeugungen, was später sicherlich mit der Christianisierung begründet werden kann. Die Quellenlage ist bei beiden Gruppen rätselhaft und verleitet zu vielen Interpretationen und Vermutungen. Gerade die vielen gleichen Phänomene in den Völkern verleiten dazu, gleiche Schlüsse zu ziehen. Die Erforschung der Germanen und der Kelten ist noch nicht abgeschlossen. Immer wieder werden neue Ausgrabungen und Funde gemacht. Gerade wenn man sich mit dem Thema der Bestattungsrituale und Postmortalitätsvorstellungen auseinandersetzt, ist man auf die Archäologie angewiesen. Kelten und Germanen hinterließen ja gerade ihre Leichen in der Erde, vergruben sie. Eigentlich müsste gerade dieses Themengebiet hervorragend anhand von archäologischen Funden untersucht werden können. Ausgrabungen sind das Einzige, was der Wissenschaft zur Verfügung steht, wenn man tote Kulturen erforschen will. Der beste Themenbereich ist dann doch gerade die Nachtodesvorstellungen. Ihre Kultur und Lebensweise sollte man deutlich schlechter untersuchen können, da diese nicht in die Erde vergraben werden konnten. Dennoch kann man auch anhand der Funde von Gräbern keine ganz sicheren Aussagen treffen. Viele Erkenntnisse halten wir heute für gut belegt und bewiesen, wie die meisten der Fakten, die ich hier versucht habe zu vergleichen. Doch es ist nicht unmöglich, dass es in ein paar Jahren wieder neue Erkenntnisse gibt, die einige Behauptungen dieses Textes für Nonsense erklären. Es bleibt spannend.

Quellen

  • Bemmann, Kalus (1998): Die Religion der Germanen. Die Religion der Deutschen bevor sie Christen wurden, Essen: Phaidon Verlag GmbH.
  • Hasenfratz, Hans-Peter (2007): Die Germanen. Religion, Magie, Kult, Mythus, Erftstadt: Verlag Herder GmbH.
  • Maier, Bernhard (1994): Lexikon der keltischen Religion und Kultur. Stuttgart: Alfred Körner Verlag
  • Maier, Bernhard (2001): Die Religion der Kelten. Götter – Mythen – Weltbild. München: C.H. Beck Verlag.
  • Maier, Bernhard (2003): Die Religion der Germanen. Götter – Myten -  Weltbilder. München: C.H. Beck Verlag.
  • Grewenig, Miranda (Hrsg.) (2010): Die Kelten: Druiden, Fürsten, Krieger. Das Leben der Kelten in der Eiszeit vor 2500 Jahren. Völklingen: Springpunktverlag
  • Rieck hoff, Sabine & Teegen, Wolf-Rüdiger (2008): Beiträge zur Religion der Kelten. Ein Kolloquium an der Universität Leipzig anläßlich der Ausstellung „fromm fremd barbarisch. Die Religion der Kelten“. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag
  • Birkhan, Helmut (1997): Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Wien: Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften