09. Oktober 2012 von s_gbuy9x hinduismus-buddhismus-asien2012 0

Das hinduistische Reich der Champa in Vietnam

von Sabrina Leipe & Lena Schmietenknop

Im Folgenden geben wir einen Einblick über das Champa Reich, das im 2. Und 3. Jahrhundert entstand. Das Champareich war umgeben von den Chinesen, den Khmer und dem javarischen Reich, wodurch es oft zu Spannungen und Kriegen führte, auf die wir im weiteren Verlauf noch eingehen. Warum gab es Spannungen, wie sind die buddhistischen Einflüsse in das Champareich eingedrungen? Begeben Sie sich gemeinsam mit uns auf die Spuren der Cham, ihrer Geschichte und Kultur.[1]

Die Geschichte des Champa Reiches

Das Reich der Champa bildete neben dem Reich der Khmer im 10. Jahrhundert eines der wichtigsten Mächte des südostasischen Kontinents.[2] Die Stärke des Champa Reiches bildete sich zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert mit der Ausweitung des Einflussgebiets von Norden bis in den hohen Süden. Um das Gebiet effektiver kontrollieren zu können, wurde das Reich in sog. Fürstentümer aufgeteilt. Innerhalb dieser Fürstentümer kontrollierten die zuständigen Fürsten den alltäglichen Ablauf, bei wichtigen Entscheidungen wie z.B. im anstehenden Kriegsfall, bestimmte der König.

Die Champa unterhielten Handelsbeziehungen zu China und zu Kambodscha. Während die Beziehung zu Kambodscha relativ gleichwertig war, handelte es sich bei den Verbindungen zu China um tributpflichtige Vasallen-Beziehungen. Beide Verbindungen gipfelten ab dem 9. Jahrhundert in kriegerischen Auseinandersetzungen. Durch den Vorstoß chinesischer Truppen sah die Regierung die Hauptstadt Indrapura aus Sicherheitsgründen nach Süden. Neue Hauptstadt des Champareiches wird die Stadt Vijaya im südlichen Bergland Vietnams.[3]

Da die durch die chinesische Besatzung befreiten Volksstämme der Dai Viet wieder zu neuer Stärke zurückfanden wie vor der Herrschaft der Champa, schafften die Viet es, 1044 die Hauptstadt Vijaya einzunehmen und den dort ansässigen Monarchen zu töten. 1068 folgte die Gefangennahme des Königs der Cham, Rudravarman III. Dieser konnte dem Tod allerdings durch einen Handel entgehen und erkaufte sich sein Überleben durch die Abgabe eines Landstriches, welcher den Einfluss der Viet auf das Champareich verstärkte.

Doch die Champa hatten nicht nur Probleme mit den aufstrebenden Viet und den verbündeten chinesischen Soldaten, auch die Khmer witterten ihre Chance, die Gleichstellung der beiden Großreiche aufzulösen. Während die Champa ihre Hauptstadt Vijaya 1074 und 1080 vor den Kriegern der Khmer beschützen konnten, mussten sie sich 1154 schlussendlich geschlagen geben und das Machtzentrum des Reiches aufgeben.[4]

Der Zerfall des Reiches deutet sich an

Auch die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts war von diversen kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt und bildet eine Erklärung für die spätere Schwäche Champas. Während sich nun auch die Fürstentümer untereinander bekämpften um das eigene Fürstentum bedeutsamer und größer zu machen, fielen auch die Mongolen in das Land ein.

1400 ist der Zerfall bereits abzusehen. Endgültig hat Champa 1832 aufgehört zu existieren, davor wurden die einzelnen Provinzen von den Viet kontrolliert. Die Bewohner Champas durften weitestgehend ihren landwirtschaftlichen Tätigkeiten nachgehen und wurden nicht weiter behelligt. Mitglieder der Regierung und deren Angehörige hingegen wurden entweder getötet oder des Landes verwiesen.[5]

Die Sprache

Die Champa nannten ihr Königreich Champa „ Sri Champapura“.[6] Man geht davon aus, dass sie ein Volk malaio-polynesischen Ursprungs sind, da ihre Sprache zu dieser Gruppe gehört. Ihre Sprache zeigt viele Entlehnungen aus dem Sanskrit, Khmer, Annamitischen, Chinesischen und Tamil. Die Literatur ist in Sanskrit geschrieben, der Cham-Dialekt konnte sich jedoch auf dem Königshof nie durchsetzen.[7]

Die Religion der Champa

Die Cham verehrten nicht nur ihren großen Gott Shiva, sondern entwickelten sehr früh einen religiösen Königskult und die Statuen ihrer Könige, genau wie die Khmer.[8] Ihnen und den Göttern zu Ehren erbauten sie beeindruckende Tempelanlagen, von denen Teile bis in die heutige Zeit hinein überdauern konnten.

Die Cham waren sehr hinduistisch geprägt, daher ist es nicht verwunderlich, dass die  Gesellschaftsordnung auf dem hinduistischen Kastensystem basierte. Schon gegen Ende des 2. Jahrhunderts gibt es aufgrund des Handelsweges eine Indisierung. So ist Champa in der Religion und Kultur stark von indischen Einflüssen geprägt, es wurden Schrift, Kalender und Architektur übernommen. Durch die zwei größten Häfen in Zentralvietnam, Dai Chiem und Thi Naj, haben sich die Cham die perfekte Infrastruktur geschaffen und beeinflussen mit ihrem Handel die regionale Wirtschaft enorm. Die Zivilisation von Champa war überwiegend hinduistisch, allerdings wurde der Buddhismus ab dem 9. Jahrhundert in Skulpturen sichtbar.

Das alltägliche Leben

Das Volk bestand hauptsächlich aus Landwirten, Händlern und Kunsttöpfern. Besonders bekannt wurde sie durch ihren Reis, sie entwickelten eine Reissorte mit einer besonders kurzen Reifezeit, nämlich gelang ihnen dies in hundert Tagen. Im 13. Jahrhundert wurde dieser in Südchina eingeführt und war somit ein bedeutender landwirtschaftlicher Fortschritt für die Cham. Außerdem waren sie bekannt für den Export von Zimt, Sandelholz, Nashornhörnern und Elefantenstoßzähnen. Durch das großartige Klima war die Region reich an Kräuter, Baumwolle etc. Einer der wichtigsten Handelsgüter waren jedoch die Sklaven, die sie kauften oder bei Überfällen erbeuteten.

Die regelmäßigen und direkten Beziehungen, die Champa zu Indien hatte, sind durch das muslimische Eindringen nach Indien Ende des 12. Jahrhunderts unterbrochen worden.[9]

Über den Handel zum Buddhismus

Die geographische Lage Champas machte es, den jahrelangen kriegerischen Auseinandersetzungen zum Trotz, anderen Kulturen ihrer Nachbarstaaten relativ leicht, sich in dem Gesellschaftsgefüge der Cham zu etablieren. Insebsondere der Buddhismus fand über den Handel seinen Weg in das hinduistische Land. Durch den Austausch mit insbesondere indischen Handelspartnern kamen die Einwohner anfänglich in den Kontakt mit buddhistischen Einflüssen. Diese daraus entstehende Vermischung hinduistischer und buddhistischer Kulturelemente hatte die Schaffung einer spezifischen Kultur zur Folge, welche sich auch auf den geschichtlichen Werdegang des Champareiches auswirkte. Im Gegensatz zum Hinduismus war der Buddhismus geprägt von klar forumlierten Grundsätzen. Jedem Menschen stand die Wahl frei, dieser Glaubensrichtung beizutreten. Besonders für die einfache Bevölkerung jenseits der Herrschaftshäuser bildete der Buddhismus so einen alltäglichen Rückhalt jenseits hinuistischer Gottheiten.

” Man kann Buddhist werden, genauso wie man Christ werden kann; aber als Hindu ist man geboren genauso wie man als Jude geboren wird.” (vgl. Villiers, Seite 47)

Daraus resultierende Spannungen zwischen machthabenden Fürsten und der Bevölkerung, sowie der Einfluss aggressiver islamischer Einflüsse in ganzen Gegenden hatten schlussendlich einen religiösen Verfall des Hinduismus in Vietnam zur Folge. Ganze Tempelanlagen wurden zerstört oder Skulpturen bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt.[10]

Die Wirren der folgenden Jahre hatten die Bildung einer extremen Vielfalt religiöser Minderheiten zur Folge, was die Cham-Nachkömmlinge nach dem endgültigen Zerfall des Reiches auch religiös zu Splittergruppen werden lies, die größtenteils zu den Muslimen, sowie Buddhisten und Hindus zählen.[11]

Quellen

[1] http://www.arte.tv/de/angkor-und-die-hochkultur-der-khmer/41292,CmC=41330.html

[2] Hubert, Jean-Francois, Die Kunst der Champa. Parkstone Press, New York, 2005

[3] http://www.lankainfo.de/Land___Leute/Mythos/vijaepos/vijaepos.htm

[4] Hubert, Jean-Francois, Die Kunst der Champa. Parkstone Press, New York, 2005

[5] http://www.vietnam-kompakt.de/das-reich-champa-und-sein-volk.html

[6]Villiers, John, Südostasien vor der Kolonialzeit. Fischer Bücherei KG, Frankfurt am Main, 1965, 126

[7] http://12koerbe.de/hanumans/home2.htm

[8]Villiers, John, Südostasien vor der Kolonialzeit. Fischer Bücherei KG, Frankfurt am Main, 1965, 126

[9] Villiers, John, Südostasien vor der Kolonialzeit. Fischer Bücherei KG, Frankfurt am Main, 1965

[10] Villiers, John, Südostasien vor der Kolonialzeit. Fischer Bücherei KG, Frankfurt am Main, 1965

[11] Villiers, John, Südostasien vor der Kolonialzeit. Fischer Bücherei KG, Frankfurt am Main, 1965