15. Juli 2012 von s_42p8ut BiblischeFigurenMMM2011 1

Die Figur der Maria aus Magdala in Videoplattformen

von Lisa Vanessa Lamm und Ann-Christin Gerrietzen

Videoportale – Millionen von User besitzen bereits ein Konto von einer solchen Plattform. Sie laden selbstgedrehte Filme ins Netz hoch, wandeln Musikclips- oder Filmausschnitte in internettaugliche Videoformate um und stellen so diese zur Ansicht bzw. zum Herunterladen ins Portal. In den 2000er sind die Videoplattformen immer mehr und mehr populär geworden und werden öfters besucht als andere Websites. Es gibt mittlerweile mehr als 40 Videoportale im Internet. Die meisten unterscheiden sich nur von der Darbietung, dem Userkreis oder den Inhalten. Einige spezialisieren sich auf Dokumentationen oder Musik, andere wiederum auf TV- Serien. Da viele gratis sind, schalten die Anbieter der Plattformen regelmäßig Werbung vor den Filmen.

In einer Onlinestudie vom ZDF und ARD würden Personen ab 14 Jahren befragt, wie oft sie Videoplattformen nutzen. Die Statistik bildet die Nutzung von Videoplattformen zu Nutzung von Videoplattformen im Internet in den Jahren 2007 bis 2011 ab. Im Jahr 2010 nutzten 34 % der Befragten Videoportale im Netz. Youtube gehört mit mehr als täglich 110 Millionen angeklickten Videos zu den meist genutzten Plattformen im Netz. Mit einem Marktanteil von 29% haben es Konkurrenten schwer. MyVideo, Clipfish oder Yahoo Video versuchen eine Alternative zu Youtube zu bieten. Manche möchten sich mit Spezialisierungen aus der großen Masse abheben, andere kopieren eher das Konzept des weltweit größten Anbieters. Doch dieser Blogeintrag ist nicht dazu da über die verschiedene Videoplattformen zu schreiben, sondern soll einen kurzen Einstieg zu unserem eigentlichen Thema bilden. Im Religionsseminar „Weiblichen Figuren in den modernen Massenmedien“ diskutierten wir lange über die Figur der Maria aus Magdala. In unserem Blogeintrag beschäftigen wir uns daher mit dieser Figur im Medienverbund Internet am Beispiel von Videoplattformen.

Maria aus Magdala

Die neutestamentliche Gestalt der Maria aus Magdala hat im Verlaufe der abendländischen Geistes- und Kulturgeschichte einen bemerkenswerten Änderungsprozess durchlaufen. Von der Jüngerin und Zeugin der Osterereignisse im Neuen Testament führt dieser Prozess u.a. über die Gestalt der reuigen Sünderin und Büßerin bis hin zur Geliebten und Ehefrau Jesu in neueren Romanen.

Im Laufe unserer Recherchen auf Videoplattformen, hauptsächlich auf Youtube, verstärkte sich das Bild von Maria aus Magdala als Geliebte und Ehefrau Jesus. Insbesondere der Roman „Sakrileg“ von Dan Brown und dessen Verfilmung „The Da Vinci Code/Sakrileg“ unterstrich diese Theorie. Der Plot des Films besteht aus der Suche nach dem Heiligen Gral und der Annahme, dass Maria aus Magdala die Geliebte Jesu und Mutter einer gemeinsamen Tochter namens Sarah gewesen sei. Diese Vermutung spielgelt sich oftmals in den Kommentaren der User von der Youtube-Videoplattform in Bezug auf Filmausschnitte aus Sakrileg wieder.

“Hey Jesus als Lover das wär doch toll,(…)” User: MsJenny1954 vor 5 Monaten

“I’m sure that this movie will say what I have always known in my heart. That Jesus loved Mary. It makes more sense to me that Jesus would have a wife. He wanted to show how to be a normal person and also be able to become a Christ. If he were too different than everyone else, they wouldn’t have embraced his teachings. Jesus and Mary had three children. I still can embrace Jesus’ teachings regardless of whether he was married or not.” User: Esahisme vor 2 Jahren 4 Monaten

“Mary Magdalene was Jesus’s head disciple, Peter and the roman catholic church hated her and turned her into a ‘prostitute’.” User: generalzod4life vor 2 Monaten

Die Kommentare verdeutlichen, dass die User die “neue“ Maria aus Magdala gut annehmen können. Man hat das Gefühl, dass die neue Rolle der Maria ihren Glauben nicht schwächt, sondern stärkt. Die alten Ansichten der Kirche geraten in Kritik und werden abgelehnt. Der Glaube an Jesus als Ehemann und Vater lässt ihn menschlicher erscheinen und er büßt nichts an seiner Authentizität ein.

Einige Nutzer sind der Meinung, dass die Darstellung von Hollywood bezüglich der Figur der Maria aus Magdala zu simpel sei und fordern andere dazu auf, dies zu hinterfragen.

“you idiots believe what hollywood tells you? that’s rich. referencing a book and a movie as sources of information. this is just plain dumb.” User: konfectionaire vor 4 Monaten

Einzelne User nennen die Bibel als einzigen Maßstab und sehen in der Maria aus Magdala eine Sünderin, die von Jesus geheilt wurde und ihm als Jüngerin gefolgt ist, nicht aber als Mutter und Ehefrau Jesu.

“It doesn’t matter anyways, we know this is false, the Bible can be your source.” User: Tonganpride1000 vor 2 Monaten

Resümee

Videoplattformen bieten die Möglichkeit nah an Diskussionen teilzunehmen und seine Meinung frei zu äußern. Weder die religiöse Einstellung, noch der Bildungsgrad der User stehen im Vordergrund. Die Einfachheit dieser Art von Meinungsäußerung ermöglicht viele verschiedene Ansichten zu einem bestimmten Thema, auch über einen längeren Zeitraum und Ländergrenzen hinaus.

Dies zeigt sich auch anhand unseres Beispiels. Auffällig ist, dass sich viele User mit der Maria aus dem Buch von Dan Brown anfreunden und diese Theorie in ihren eigenen Glauben aufgenommen haben. Hier wird deutlich, wie viel Einfluss ein solcher Film auf uns Menschen hat, dass er sogar unseren Glauben verändern kann. Problematisch ist, dass User die Meinung aus dem Film und aus den Kommentaren annehmen, vielleicht sogar vermischen und nicht hinterfragen. Interessant sind allerdings die Vielzahl der Kommentare und die Aktualität zum Thema Maria aus Magdala.

Quellen

  • Grafik: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/71815/umfrage/nutzung-von-videoplattformen-in-deutschland/
  • Sakrileg (Roman) Inhalt: http://de.wikipedia.org/wiki/Sakrileg_%28Roman%29
  • Videoplattformenerklärung: http://www.tenmostimportant.de/top-ten/die-10-besten-videoplattformen/