02. April 2012 von Lorenz hinduismus-literatur-medien2011 1

Die Göttin Durga im Comic

von Eva Hüsken und Lorenz Andree

Comics, die Geschichten aus den heiligen Schriften des Hinduismus wiedergeben, erfreuen sich in Indien großer Beliebtheit. Da man Bibelcomics nur aus dem Religionsunterricht in der Schule kennt, ist es schwerer nachvollziehbar, warum indische Jugendliche teilweise wöchentlich auf die Herausgabe eines neuen Comics warten. Dieser Artikel versucht ein Verständnis dafür nahe zu bringen. Anhand des spannenden Comics “Tales of Durga”.

Einführung Amar Chitra Katha

Anant Pai besuchte 1967 mit seiner Frau die indische Stadt Delhi. Dort sah er zum ersten Mal in einem Schaufenster einen Fernseher. Es lief eine Quizsendung, in der einer Gruppe von Studenten verschiedene Fragen gestellt wurden. Pai beobachtete, wie den Studenten die Frage gestellt wurde, wie denn die Mutter Ramas hieße. Die Studenten konnten die Fragen nicht beantworten. Als wenig später eine Frage zur griechischen Mythologie gestellt wurde, konnten die Studenten auf Anhieb die richtige Antwort geben.

Anant Pai beschrieb diese Szene später als ein Schlüsselerlebnis. Er machte es sich zur Aufgabe, der Jugend die eigene Religion zu vermitteln und sie so ihren indischen Wurzeln näher zu bringen. Um dies umzusetzen, bediente er sich eines anderen in Indien neu angekommenen Mediums: der Comics, die aus Amerika kamen und sich Indien großer Beliebtheit erfreuten.

Pai gründete 1967 die Comicserie Amar Chitra Katha, was ins Deutsche übersetzt “Unsterbliche heilige Bildergeschichten” bedeutet. Seine Comics zeichnen sich durch eine genaue Wiedergabe aus. Das erste Comic, das aus dieser Serie erschien, war 1969 das Comic „Krishna“. Nach einigen weiteren Comics erschien 1978 das Comic „Tales of Durga“, das aus verschiedenen Gründen aus seinen Vorgängern heraussticht.

Tales of Durga

Kapitel 1

Der Dämon Mahisha erlangt durch lange Entbehrungen einen Segen von Brahma. Er wünscht sich, unsterblich zu werden. Nachdem Brahma diesen Wunsch mit der Begründung, dass alles, was geboren wurde auch sterben muss, ablehnt, wünscht Mahisha sich, dass er nur von einer Frau getötet werden kann. Mahisha ist davon überzeugt, dass eine Frau niemals in die Position kommen würde, ihn zu töten. Brahma erfüllt ihm diesen Wunsch. Mit diesem Segen ausgestattet greift Mahisha den Himmel an und kann diesen auch besetzen.

Die Menschen bitten daraufhin die Götter, ihnen zu helfen. Die Götter versammeln sich und erschaffen die Göttin Durga. Sie ist mit allen Waffen der Götter ausgestattet. Durga zieht sogleich in den Kampf gegen Mahisha. Dieser sieht sie kommen und greift sie an. Er verwandelt sich dabei in viele verschieden Formen, die aber alle von Durga besiegt werden. Schließlich gelingt es der Göttin, Mahisha, während dieser in der Form eines Büffels ist, zu enthaupten und so gewinnt sie den Kampf gegen den Dämon.

Kapitel 2

Ein anderer Dämon namens Shumba greift die Götter an. Diese, aus dem Himmel vertrieben, suchen Schutz und Hilfe bei Durga. Auf dem Weg zu der Göttin werden sie aber von einem Diener Shumbas verfolgt, der wissen möchte, was die Götter vorhaben. Parvati begegnet den Göttern und erscheint ihnen als Ambika. Die Diener Shumbas, die Göttin auch sehen, sind beeindruckt von der Schönheit dieser Frau. Sie kehren zurück zu ihrem Herren und berichten ihm von der schönen Erscheinung. Shumba beschließt, Ambika zu heiraten und schickt seine Diener wieder los, damit sie ihr davon berichten.

Als die Diener Ambika treffen, erzählen sie ihr, dass ihr Herr beschlossen hat, sie zu ehelichen. Ambika sagt ihnen, dass sie geschworen hat, nur denjenigen zu heiraten, der sie im Kampf besiegt. Als die Diener dies Shumba berichten, gibt er seinen Untergebenen den Befehl, die Frau mit Gewalt zu ihm bringen zu lassen. Seine Diener greifen Ambika an. Diese wehrt sich und im Kampf erscheint Kali aus ihr, ein Inkarnation Durgas. Zusammen besiegen sie die Feinde und Ambika gibt Kali den Beinamen Chamundi, da unter ihren Feinden die Kämpfer Chanda und Munda waren.

Kapitel 3

Als Shumba erfährt, dass Chanda und Munda getötet wurden, erscheint er selbst samt Heer. Auch Durga erscheint mit all ihren Inkarnationen und beginnt, gegen Shumba zu kämpfen. Schnell sind die Gefolgsleute getötet. Allerdings entsteht aus jedem Tropfen Blut, der von Shumba vergossen wird, ein Klon des Dämons. Kali jedoch sorgt dafür, dass kein Tropfen Blut mehr den Boden berührt und so ist es Durga möglich, Shumba zu besiegen. Der letzte und mächtigste Shumba betritt daraufhin das Kampffeld und ruft Durga zu, dass sie sich nicht mit Ihrem Sieg rühmen solle, da sie nicht allein erkämpft habe. Durga rechtfertigt sich damit, dass sie nur in ihren verschiedenen Inkarnationen gekämpft habe. Sie lässt ihre Erscheinungen verschwinden und kämpft alleine gegen den letzten Dämon und besiegt diesen. Die Götter erscheinen und loben sie als „Zerstörerin des Bösen“.

Unterschiede zwischen dem Devi Mahatmya und dem Comic

  • Der Originaltext ist anders unterteilt als das Comic. Das Devi Mahatmya erzählt unter anderem die Geschichte, wie Brahma das Universum geschaffen hat, wie Durga den Dämon Mahisha besiegt hat und wie die Göttin in verschiedenen Formen verschiedene Dämonen getötet hat. Das Comic bezieht sich lediglich den Inhalt der Geschichte aus dem zweiten und teilweise dem dritten Kapitel des Devi Mahatmya.
  • Der Entstehungsmythos von Durga unterscheidet sich im Comic vom Original. Im Devi Mahatmya suchen die Götter Hilfe bei Vishnu und Shiva. Als diese hören, was die Götter ihnen berichten, werden sie so wütend, dass aus dieser Wut Durga entsteht. Die weibliche Form Durgas wird damit begründet, dass die ultimative Realität weiblich ist. Das Comic lässt die Götter vereint die Göttin erschaffen. Sie ist weiblich, weil der Dämon Mahisha aufgrund des Segens von Brama nur von einer Frau besiegt werden kann.
  • Kali wird stark verharmlost. Es wird zum Beispiel nicht erwähnt, dass sie, damit kein Tropfen von Shumbas Blut mehr den Boden berührt, sie das Blut der Besiegten trinkt. Das Comic gibt hier lediglich die Auskunft, das Kali dafür sorgte, dass kein Blut mehr den Boden berührte.

Fazit

Obwohl die Comics aus der Serie der Amar Chitra Katha sich auf die genaue Wiedergabe der Quellentexte in Comicform spezialisiert haben, lassen sich hier einige Unterschiede finden. Dieses Comic sticht aber nicht nur aus diesem Grund zwischen all den anderen hervor. Verschiedene stilistische Mittel machen dieses Comic einzigartig. So tritt Durga in dem nach ihr benannten Comic erst verhältnismäßig spät auf. Vor allem zu Beginn ist Mahisha allein in der Hauptrolle. Wie schon der Name der Serie (Amar Chitra Katha, übersetzt Unsterbliche heilige Bildergeschichten) aussagt, haben solche Comics in Indien eine wichtige Bedeutung. Jugendliche und Kinder beschäftigen sich so eingehend und interessiert mit ihrer Religion und ihrer Kultur.

Quellen

  • McLain C. (2009), Indian’s Immortal Comic Books: Gods, Kings and other Heros, Bloomington, S. 87 – 113
  • McLain C, (2009), Popular Culture in a globalised India,  London and New York,  S. 157-171