01. Oktober 2012 von s_ehg5kj hinduismus-buddhismus-asien2012 0

Hinduistische Tempel, mythologische Motive und Statuen des Champareiches

von Susanne Neddermann und Helena Herbst

Das Volk der Cham, deren Herrschaftsgebiet früher im heutigen Südvietnam lag, hinterließ der Nachwelt einige eindrucksvolle Bauwerke, die nachfolgend thematisiert werden sollen. Im Mittelpunkt stehen vor allem Tempelbauten und deren Statuen und mythologische Motive. Die Tempel, die zunächst ausschließlich  Ahnen und hinduistischen Göttern gewidmet waren, wurden von Königen und Herrscherfamilien errichtet. Beim näheren Betrachten fallen Abweichungen im Stil der einzelnen Bauelemente auf, die Hinweise auf ihre Erbauungszeit liefern. Trotzdem kann eine vorwiegende Struktur beobachtet werden, in der sich alle Tempel ähneln.

Die Hauptfassade der Tempel ist stets nach Osten in Richtung des Sonnenaufgangs  gerichtet. Der meist quadratische Hauptturm besitzt ein pyramidenförmiges Dach, welches seinerseits aus drei Ebenen und dem Dachfirst besteht. Darin befindet sich zudem der Kalan, der Altarraum, der von einer Vielzahl kleiner Türme und Ausbauten umgeben ist. Dabei verfolgt die Architektur des Kalan als Zentrum des Tempelkomplexes  eine eigene Symbolik: das Fundament steht für die menschliche Welt, der Turm für die spirituelle und das Dach für die heilige Welt. Gegenüber des Kalan befindet sich zumeist ein Tor, welches nach Osten und Westen zu öffnen ist.

Vor dem Tor befindet sich ein weiteres, ziegelgedecktes Haus, das Mandapa. Es besitzt viele Fenster und zwei Türen, die sich, gleich dem Tor, nach Osten und Westen öffnen lassen. Ursprünglich diente das Mandapa als Vorraum für Reinigungen und Beten vorm Betreten des Kalan.

Rechts neben dem Altarraum lässt sich der Aufbewahrungsort für Opfergaben finden, welcher Kose grha genannt. Dieses Backsteingebäude besitzt ein geschwungenes Dach, das einem Boot ähnelt. Sein Haupttor zeigt nach Norden, wohingegen zwei Fenster nach Osten und Westen gerichtet sind.

My Son

Die Tempelstadt My Son liegt in der Provinz  Qu?ng Nam an der vietnamesischen Küste und besteht aus über 70 Tempeln, die zwischen dem 7. und 13. Jahrhundert erbaut wurden. Es ist anzunehmen, dass schon früher Tempel an dieser Stelle gestanden haben, welche noch aus Holz bestanden und durch Feuer zerstört wurden. Einst war sie die heilige Stadt der Hindus und ist noch heute ein wichtiges Zeugnis des Champa- Reichs.

My Son [1]

Die Tempelanlage befindet sich im Dschungel. Vermutlich wurde die Lage aus Gründen des Schutzes gewählt. Die ersten Bauten wurden zu Ehren des Gottes Bhadrasvara errichtet. Einige Funde zeugen davon, dass My Son auch als Begräbnisstätte von Königen genutzt wurde. Die große Mischung von Bauten verschiedener Epochen hat zwei Gründe: zunächst wurden durch neue Könige stetig neue Tempel errichtet, jedoch auch weiterhin alte Anlagen restauriert, um dort Opfergaben wie Gold, Silber, Edelsteine, Sklaven und Elefanten darzubringen. Das Ziel war das Erlangen des Wohlwollens der Götter. Durch Kriege und Zerfall, aber auch durch die ständigen Auf- und Ausbauten unterlag die Anlage ständigen Wandel. Seit 1999 gehört My Son zum UNESCO Weltkulturerbe.

Dong Duong

Der Tempel Dong Duong liegt in dem Dorf Binh Dinh und wurde Ende des 9. Jahrhunderts gegründet. Im Gegensatz zu My Son ist diese Anlage die größte buddhistische Stätte des Champareichs. Hier wurde eine Mischung aus Buddhismus, Shiva und Ahnenkult ausgelebt. Neben königlichen Zeremonien befand sich hier auch ein Kloster für buddhistische Mönche.

Auffällig war zudem der große Teich, der 100m mal 100m abmaß und als Wasserspeicher und zur Bewässerung der Reisfelder genutzt wurde.

Heute ist sehr viel der ursprünglichen Anlage zerstört, was am Alter, der starken Vegetation, aber auch am Baustoff liegt. Da beim Bau kein Mörtel benutzt wurde, ist das Mauerwerk anfällig für Moos- und Pflanzenbefall.

Po Nagar

Die heilige Stätte Po Nagar liegt 2 km nördlich des Zentrums der gleichnamigen Stadt. Vermutlich wurde sie zwischen dem 8. Und 13. Jahrhundert erbaut. Auch hier ist davon auszugehen, dass der Ursprungstempel aus Holz war und niedergebrannt wurde. Die erhaltenen Steinplatten liefern viele Informationen über das spirituelle Leben und die sozialen Strukturen der Erbauer.

Ursprünglich bestand die Anlage aus mindestens zehn Tempelkomplexen, von denen heute jedoch nur noch fünf in Teilen erhalten sind. Der älteste erhaltene Überrest von Po Nagar ist der Säulenganz des Mandapa.

Po Nagar stellt durch seine architektonische und bildhauerische Arbeit wegen seiner ästhetischen Schönheit einen bedeutenden Schritt in der Entwicklung der Cham Kunst dar.

Po Nagar [2]

Merkmale der Cham-Kunst

Cham-Skulpturen sind ein wichtiger Teil der Kultur in Vietnam; vor allem wenn man die Anzahl der Arbeiten und die Wichtigkeit der künstlerischen Besonderheiten in Betracht zieht. Sie beinhalten meist  religiöse Grundthemen  und Themen der indischen Mythologie (Vgl.: Duoc: 3). Ende des 19. Jahrhunderts begannen französische Archäologen, Altäre, Reliefs, Grabsteine, Statuen und Büsten von Göttern und Göttinnen zu sammeln, die in zerstörten Tempeln in ganz Zentralvietnam (vor allem aber in My Son, Dong Duong und Po Nagar) gefunden wurden. Diese Skulpturen sind meist aus Sandstein gefertigt, aber nicht immer vollständig erhalten geblieben. Die Zeit und auch Kriege haben Spuren hinterlassen (Vgl.: Hardy, Cucarzi, Zolese: 25). Dennoch sind viele dieser Fundstücke (ca. 400) im Danang Museum of Cham Sculpture zu sehen. Besonders auffällig sind die Hervorhebung der charakteristischen Attribute der Gottheiten, sowie die plastische Gestaltung der Skulpturen und Altäre (Vgl.: Duoc: 4-5).

Gottheiten (Skulpturen)

In den Tempelanlagen wurden eine Vielzahl von Göttern verehrt, die zunächst nur vom Hinduismus übernommen wurden. Dazu gehören neben Brahma, Vishnu und Shiva auch viele andere hinduistische Götter, Bodhisattvas und Buddhas (Vgl.: Duoc: 8): So wurden z.B. sehr häufig die Lokapala/Dikpala, die Wächter der 4, bzw. 8 Himmelsrichtungen dargestellt; zu ihnen gehören unter anderem Kubera, der Gott des Wohlstandes (Norden), Yama, der Gott des Todes (Süden),  Varuna, der Gott der Ozeane (Westen) und Indra, der Gott des Donners und Blitzes (Osten). Sie werden auf unterschiedliche Weise dargestellt:  zusammen, einzeln, mit ihren Reittieren oder ohne  (Vgl.: Duoc: 10-19).

Lokapala/ Dikpala (Die Wächter der 4, bzw. 8 Himmelsrichtungen) [3]

Eine wichtige Rolle spielt auch das Ramayana:  Neben den beiden Hauptpersonen Rama, (der mit einem Bogen abgebildet wird, mit dem er die Guten vor dem Bösen beschützt) und Hanuman, dem Affengott, werden auch andere wichtige Szenen des Epos, künstlerisch dargestellt; wie zum Beispiel die Abbildung Ravanas, in der der böse König Sri Lankas, der auch Ramas Frau Sita entführte, schöne Frauen einfängt (Vgl.: Duoc: 41-47 ).

Am meisten verehrt und dargestellt wird Shiva. Er hat viele Erscheinungsbilder, wird jedoch vor allem in der Form von Lingam, einem Phallussymbol abgebildet. Dass man Götter in Form von Phalli zeigte, war in antiken Kulturen sehr verbreitet. Diese Darstellungen nehmen häufig den Platz im Inneren des Tempels ein und sind ein wichtiger Teil des religiösen Zeremoniells und werden z.B. rituellen Waschungen unterzogen (Vgl.: Duoc: 21-23).

Weibliche Gottheiten dagegen nehmen eine untergeordnete Rolle ein: Es werden z.B. die Apsaras, die Nymphen von Indra‘s Himmel , die später für ihren Gesang und Tanz bekannt waren und Sarasvati, die Göttin der Künste dargestellt. Sarasvati ist vor allem für Dichtung und Musik zuständig und wird mit einem Schwan abgebildet (Vgl.: Duoc: 48).

Neben dem Hinduismus gelangte aber auch der Buddhismus Anfang des 1. Jahrtausends in die Champaregion. Zwischen dem 9. Und 10. Jahrhundert baute die Bevölkerung buddhistische Klöster in Dong Duong, Quang Nam. Viele der Artefakte, die buddhistische Themen beinhalten, wurden auch dort gefunden, wie z.B. Altäre oder Buddha-, Bodhisattva-, Dvarapala- und Darmapala-Statuen. Ein Beispiel wäre die Darstellung von Garuda, der für den Hass auf Böses steht, oder die Abbildung des Manjushri, der als Symbol für Weisheit, Erinnerungsvermögen und Intelligenz steht (Vgl.: Duoc: 55-56).

Quellen

[1] Hirsch, Thomas, One of the temples at My Son, Vietnam/Quang Nam province 2002, online in: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:My_Son.jpg?uselang=de, letztes Zugriffsdatum: 14.11.2013.

[2] Raymond, Nicolas, Temple Cham de Nha Trang, Nha Trang/Vietnam, online in: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nha_Trang-Temple_Cham.JPG?uselang=de, letztes Zugriffsdatum: 14.11.2013.

[3] Statue from the Cham civilization Mỹ Sơn, Quảng Nam province/Vietnam, online in: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Guimet_Cham2.jpg?uselang=de, letztes Zugriffsdatum: 14.11.2013.