19. Januar 2012 von s_sr2f3e postmortalitaet2011 1

Kelten und Germanen – Entwicklung der Postmortalen Vorstellungen

von Bastian Maertens

Die Unterscheidung von Germanen und Kelten ist, aufgrund des zum Teil gemeinsamen kulturellen Erbes, einer geographischen Nachbarschaft und einem auch damit verbundenem kulturellen Austausch über Jahrhunderte, sehr schwierig. Gerade für die späte Bronzezeit und frühe Eisenzeit ist dies aufgrund fehlender literarischer Quellen nicht möglich (Fries-Konoblauch 2002, S. 21). Die einzige Möglichkeit zur Unterscheidung sind archäologische Funde und diese lassen immer noch viel Raum für eigene Interpretationen. Auch die Tatsache, dass es innerhalb dieser zwei Volksgruppen unterschiedliche Stammeskulte und -riten gab, macht die Unterscheidung nicht einfacher (Fries-Knoblauch 2002, S. 21). Erst Caesar, der mit beiden Volksgruppen in engem Kontakt stand, hat in seinem Werk “Der gallische Krieg” die beiden Volksgruppen unterschieden und stellt somit die erste literarische Quelle zur Unterscheidung dar (Fries-Knoblauch, 2002, S. 21).

So wird für die frühe Eisenzeit angenommen, dass sowohl die Germanen als auch die Kelten eine [http://de.wikipedia.org/wiki/Naturreligion]zu [Naturreligion] waren. Doch bleiben Jenseitsvorstellungen von diesen beiden Religionen verborgen, da mittels archäologischer Funde zwar Bestattungsriten rekonstruiert werden können, aber die Glaubensvorstellungen sich bestenfalls erahnen lassen. So gab es für die frühe Eisenzeit einige Funde von Gräbern, in denen reichlich Grabbeigaben gefunden wurden. Daher liegt die Vermutung nahe, dass beide Volksgruppen an eine fortdauernde Existenz des Toten geglaubt und ihm einige Beigaben für das Jenseits mitgegeben haben (Maier 2000, S.36).

In der späten Eisenzeit, ab dem 3. Jh. v. Chr., gibt es dann die ersten schriftlichen Quellen für die keltische Religion (Maier 2000, S. 75). Hierbei sind besonders die Druiden hervorzuheben. Die Druiden beschäftigten sich vor allem mit der Natur- und Moralphilosophie und genossen hohes Ansehen innerhalb der keltischen Volksgruppe. Nach ihrer Lehre ist die Seele nicht sterblich, sondern wird immer wiedergeboren (Birkhahn, S. 13). Dies steht im engen Bezug zu der These, dass es bei den Kelten einen Glauben an eine fortdauernde Existenz gab. So erscheinen die Grabbeigaben in keltischen Gräbern der frühen Eisenzeit als Mitgift des Toten für die Aufnahme ins Totenreich. Doch nach der Lehre der Druiden in der späten Eisenzeit waren die Beigaben, gerade Lebensmittel, eher für die Übergangszeit bis zur Wiedergeburt gedacht. Somit bleibt festzuhalten, dass die Kelten in der Eisenzeit an ein Leben nach dem Tod geglaubt haben, welches sich jedoch wahrscheinlich im Laufe der Jahre von einem Glauben an ein Totenreich zu einem Wiedergeburtsglauben gewandelt hat.

Bei den Germanen erhalten wir die ersten schriftlichen Quellen ihrer Religion im 1. Jh. v. Chr. (Maier 2003, S. 101). Allerdings handelt es sich bei diesen Quellen um Beschreibungen der Germanen durch römische oder griechische Geschichtsschreiber , so dass diese Quellen nur subjektive Beobachtungen darstellen. So muss man bei den Germanen, ähnlich wie bei den Kelten, vor allem aus archäologischen Funden das religiöse Leben rekonstruieren. Demnach waren die Germanen ein sehr naturverbundenes Volk, das spezielle Kultstätten hatte (Pohl 2000, S. 83f.). Auch Grabfunde lassen Rückschlüsse zu der damaligen Religion zu. Da auch bei den Germanen, ähnlich wie bei den Kelten, eine Vielzahl von Grabbeigaben gefunden wurden, die oft auch persönliche Gegenstände des Toten beinhalteten. So kann man davon ausgehen, dass die Germanen an ein Leben nach dem Tod glaubten. Dabei lebt der Tote im Jenseits als derselbe weiter, der er im Diesseits gewesen ist (Nack 1983, S.141). Die genaue Vorstellung des Fortlebens ist rein spekulativ. Da bei unterschiedlichen Bestattungsriten, ob Erdbestattung oder Feuerbestattung die Grabbeigaben gleich blieben, spielte der Körper im Jenseits nicht die entscheidende Rolle (Nack 1983, S. 141f.). Vielmehr handelt es sich bei den unterschiedlichen Riten wahrscheinlich um zeitliche oder regionale Unterschiede.

Somit ist sowohl bei den Kelten, aber vor allem bei den Germanen das religiöse Leben und damit auch die Jenseitsvorstellung in der vorchristlichen Zeit sehr schwer zu beschreiben. Die meisten Interpretationen basieren auf sekundären Quellen oder auf archäologischen Funden.

Anders sieht es hingegen im frühen Mittelalter, also kurz vor der kompletten Christianiesierung der beiden Völkergruppen, aus. Aus dieser Zeit stammen einige Quellen, die die einzelnen Religionen beschreiben und, so die Vermutung, sich auch auf Geschichten, Sagen oder Legenden beziehen, die bis in die vorchristliche Zeit zurückreichen sollen.

Dabei handelt es sich bei den Kelten hauptsächlich um Erzählungen, die sich häufig mit der Seelenwanderung beschäftigen. Daraus lässt sich schließen, dass die vorchristliche Lehre der Druiden über die Jh. beibehalten wurde. Dazu kommen noch Erzählungen über die Welt der Side. Dabei handelt es sich nicht um ein Jenseits im herkömmlichen Sinne als Aufenthaltsort der Toten, sondern vielmehr um eine Geisterwelt jenseits der Menschenwelt (Maier 2004, S. 137f.). Ob es sich dabei um einen Aufenthaltsort der Seele zwischen Tod und Wiedergeburt handelt, ist nicht genau zu klären. Die Vorstellung dieser Sidewelt veränderte sich im Laufe der Jh. mehrfach. Frühere Vorstellungen sprechen von einer unterirdischen Welt. Dieses würde auch die vorherrschenden Erdbestattungen erklären. Neuere Vorstellungen sprechen von Luftgeistern. Allerdings erinnern diese Erzählungen sehr an die christlichen Engelsgeschichten, so dass hier der christliche Einfluss sehr deutlich ist. Im Laufe der fortschreitenden Christianisierung  wurde die Welt der Side, als unterirdische Welt, immer mehr mit der christlichen Hölle gleichgesetzt, obwohl die Welt der Side seit jeher weder gut noch böse war (Maier 2004, S. 138f).

So wurde im Laufe der Jh. die Religion der Kelten immer mehr erweitert, wobei der Glaube an die Seelenwanderung und die damit verbundene Wiedergeburt bestehen blieb.

Bei den Germanen entwickelte sich im Laufe der Jh. vor allem in Skandinavien eine neue Götterideologie. Als Quelle, für diese sich neu entwickelte Götterideologie, dient sowohl [http://www.dasschwarzenetz.de/germanen/edda.htm]zu [die Prosa- Edda als auch die Lieder- Edda]. Beide zusammen geben einen umfassenden Einblick in die neue Götterideologie und damit auch in die veränderten Jenseitsvorstellungen (Nack 1983, S. 121f.). So gab es im frühen Mittelalter insgesamt drei Totenreiche in der Germanischen Religion. Am bekanntesten ist dabei [http://de.wikipedia.org/wiki/Walhalla]zu [Walhall], ein Ort für tapfere Krieger. Nur wer an einer Kampfwunde starb, wurde von den Walküren auserwählt und zu Odin nach Walhall gebracht. Für die Krieger war es die größte Ehre nach Walhall zu kommen (Nack 1983, S. 131f).

http://www.myvideo.de/watch/7343777/Schlachtgebet_Der_13_Krieger

Schlachtgebet – Der 13. Krieger – MyVideo

Diejenigen, die nicht an einer Kampfwunde starben, kamen ins Totenreich des Hel. Dieses wurde als finstere, freudlose Schattenwelt dargestellt. Und auch hier wurde, ähnlich wie bei den Kelten mit der Welt der Side, dieser Ort it fortschreitender  Christianisierung der christlichen Hölle gleichgesetzt. Das dritte Totenreich befand sich auf dem Meeresgrund bei der Göttin Ran und war für ertrunkne Seeleute (Maier 2003, S. 109).

Auch die Wiedergeburt ist in dem Eddawerk ein Thema. So wird in dem [http://www.mythentor.de/nordisch/asen2.html]zu [Balder- Mythos], von Wiedergburt nach der Götterdämmerung gesprochen. Balder, der Sohn Odins und Götterliebling, wird durch eine List getötet und muss in das Totenreich von Hel. Auf dem Scheiterhaufen sagt Odin zu seinem Sohn, dass er nach der Götterdämmerung wiederauferstehen wird, in einer dann schöneren Welt (Nack 1983, S. 135).

Im Laufe der Jh. entwickelte sich bei den Germanen aus einer Naturreligion eine komplexe und vielschichtige Religion mit einer Fülle von Jenseitsvorstellungen.

Abschließend ist doch sehr auffällig, dass sich beide Religionen sehr unterschiedlich, von ihrer ersten Erwähnung  bis zur vollständigen Christianisierung, verändert haben.

Während die Kelten, im Kern ihrer Religion, den Jenseitsglauben mit der Wiedergeburt behalten haben und ihre Religion mit Erzählungen über die Wiedergeburt und die Welt der Side nur geringfügig erweiterten, haben die Germanen eine komplett neue Götterideologie erschaffen und damit auch einen völlig neuen Jenseitsglauben.

Auffällig ist auch, dass einzelne Aspekte der einen Religion in der anderen Religion aufgenommen wurden. So wurde in den Balder- Mythos der Germanen, der Wiedergeburtsglaube der Kelten aufgenommen. Und auch bei den Kelten wurden Krieger auf dem Schlachtfeld gelassen, um von den Geiern schneller zum Himmel gebracht zu werden, was sehr an die Walküren der Germanen erinnert.

So muss man sagen, dass beide Religionen durchaus durch ihre geographische Nähe voneinander beeinflusst wurden, sich zu Beginn des frühen Mittelalters jedoch eindeutig unterscheiden lassen.

Gerade der große Interpretationsraum und die Vielschichtigkeit dieser Religionen fasziniert und inspiriert bis heute viele Autoren und Filmproduzenten.

http://www.trailerseite.de/archiv/trailer-2011/17881-thor-film-trailer.html

Quellen

  • Birkhan, Helmu: Charakteristische Merkmale des altkeltischen Kulturlebens, Vorbereitungslektüre zum Seminartermin 31.05.2011
  • Fries- Knoblach, Janine: Die Kelten, Stuttgart 2002
  • Maier, Bernhard: Die Religion der Germanen: Götter, Mythen, Weltbild, München 2003
  • Maier, Bernhard: Die Religion der Kelten: Götter, Mythen, Weltbild, 2. Auflage, München 2004
  • Nack, Emil: Die Germanen: Länder und Völker der Germanen, Band 7, München 1983
  • Pohl, Walter: Die Germanen: Enzyklopädie deutscher Geschichte, Band 57, München 2000