Archiv: 'April 2013'

09. April 2013 von Daniel von Frieling filmabend2012 0

Dune – der Wüstenplanet

Handlungsanalyse am Beispiel des Films Dune

Gegenstand des folgenden Essays ist eine exemplarische Handlungsanalyse nach Faulstich am Beispiel des Films “Dune – der Wüstenplanet”. Zunächst werden methodologisches Vorgehen und Ziel der Handlungsanalyse erläutert. Danach erfolgt eine inhaltliche Beschreibung des Untersuchungsgegenstandes. Abschließend wird die Erstellung eines Filmprotokolls anhand einer ausgewählten Filmsequenz demonstriert.

Sinn und Zweck einer Filmanalyse

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Filmanalyse müssen Filme – gemäß Werner Faulstich – schriftlich in Form eines Filmprotokolls objektiviert werden. (vgl. Faulstich, 2008, S.64) Den ersten Analyseschritt bezeichnet Faulstich als Handlungsanalyse. Die Handlungsanalyse fragt nach dem Inhalt und dem Verlauf der Handlung eines Films und umfasst die Ausarbeitung eines Sequenz- und Filmprotokolls. Letztere rekonstruieren den Handlungsverlauf chronologisch und sollen die Aussageabsicht des Films entschlüsseln (vgl. Faulstich, 2008, S.85).

Das Sequenzprotokoll

Ausgangspunkt einer jeden Handlungsanalyse ist laut Faulstich ein sogenanntes Sequenzprotokoll. Dieses gliedert die grobe Abfolge eines Films und kann deshalb als Story bezeichnet werden. (vgl. Faulstich, 2008, S.76ff.)

Das Sequenzprotokoll erlaubt einen ersten Zugriff auf das Organisationsprinzip der Filmhandlung, und zwar sowohl für die genauere Analyse einer einzelnen Sequenz als auch für den gesamten Film.” (vgl. Faulstich, 2008,  S.79)

Innerhalb des Sequenzprotokolls können Sequenzen wiederum in Subsequenzen unterteilt, sowie Haupt- von Nebenhandlungen unterschieden werden. Zur Einteilung von Sequenzen schlägt Faulstich folgende Kriterien vor:

  • Einheit/Wechsel des Ortes
  • Einheit/Wechsel der Zeit (z.B. Tag versus Nacht)
  • Einheit/Wechsel der beteiligten Figur(en) bzw. Figurenkonstellationen
  • Einheit/Wechsel eines (inhaltlichen) Handlungsstrangs
  • Einheit/Wechsel im Stil/Ton (z.B. statisch versus dramatisch, farbspezifisch, Handlung versus Dialog) (vgl. Faulstich, 2008, S.76)

Vervollständigt wird das in Sequenzen und Subsquenzen gegliederte und in Haupt- und Nebenhandlung strukturierte Sequenzprotokoll indem das kausale Verknüpfungsprinzip der einzelnen Sequenzen vom Protokollanten markiert wird. Die einzelnen Sequenzen werden also nicht isoliert voneinander, sondern in einem Sinnzusammenhang betrachtet. Die sinnhafte Verknüpfung der einzelnen Sequenzen wird auch als Plot bezeichnet. (vgl. Faulstich, 2008, S.83)

Beim Sequenzprotokoll ist vor allem das Verhältnis von Erzählzeit des Films und erzählter Zeit der Handlung zu beachten. Ferner sollten die einzelnen Handlungsphasen voneinander unterschieden werden. (vgl. Faulstich, 2008, S.84f.) Ziel des Sequenzprotokolls ist – so Faulstich – die Ermittlung der inneren Logik eines Films. (vgl. Faulstich, 2008, S.85)

Das Filmprotokoll

Als nächsten Analyseschritt nennt Faulstich das Filmprotokoll.

Das Filmprotokoll ist die möglichst exakte [.] Transkription eines Films in [..] Text.” (vgl. Faulstich, 2008, S.67)

Faulstich erklärt die Objektivität eines Filmprotokolls als oberstes Ideal, betont jedoch, dass dieses nicht mit dem Film verwechselt werden dürfe. So solle die Detailgenauigkeit der Transkription auf den Bedeutungsgehalt des Beobachteten ausgerichtet sein (vgl. Faulstich, 2008, S.69). Sollte die Kamera beispielsweise ein Gewehr an der Wand eines Zimmers fokussieren, welches im späteren Handlungsverlauf von Bedeutung ist, müsse dieses im Sinne Faulstichs transkribiert werden.

Zur Anfertigung von Filmprotokollen bestehen keine allgemeingültigen Standards. Faulstich schlägt sechs Analyseebenen vor und unterteilt das Filmprotokoll in “Nummer der Einstellung”, “Beschreibung der Handlung”, “Dialog”; “Geräusche/Musik“, “Kameraeinstellung” und “Zeit”. (vgl. Faulstich, 2008, S.70f.)

Das Verhältnis zwischen den einzelnen Analysespalten müsse relational korrekt erfolgen. So müsse zum Beispiel ersichtlich sein ob ein Dialog vor, während oder nach einer Handlung erfolgt. Eben solches beschreibt Faulstich für den Einsatz von Musik, Geräuschen und dem Verhalten der Kamera. (vgl. Faulstich, 2008, S.71) Die Spalten 4 bis 6 würden quantitative Daten bereitstellten. So könne der Protokollant die akustisch erzeugte Stimmung in Form von stimmungsmäßigen Adjektiven wie schwermütig oder lustig transkribieren. Ebenso können die verwendeten Instrumente die musikalische Stimmung einer Szene charakterisieren, so Faulstich (vgl. Faulstich, 2008, S.71). Das Protokollieren der Kameraführung, d.h. Der Einstellunggröße und Bewegung der Kamera müsse weiterhin relational zu Handlung, Dialogen und Musik protokolliert werden. Die Zeit mittels derer die einzelnen Einstellungen gemessen wird, richtet sich nach deren Umfang. Wenn Einstellungen bspw. Weniger als eine Sekunde dauern, müsse deshalb genauer gemessen werden (vgl. Faulstich, 2008, S.71). Die Erstellung eines kompletten Filmprotokolls eines 90 minütigen Films beansprucht etwa vier Wochen Arbeitszeit, weshalb oftmals nur ausgewählte Schlüsselsequenzen vollständig protokolliert werden.

Inhalt und Filmkritik

Dune – der Wüstenplanet wurde 1983 unter Regie David Lynchs gedreht und ist eine US amerikanische Verfilmung des gleichnamigen Romans Frank Herberts. Die Geschichte spielt im Jahre 10191.

“In einer sehr fernen Zukunft ist die intergalaktische Welt voller Mysterien und Intrigen. Der wichtigste Planet des Universums ist ARRAKIS, der Wüstenplanet, auch DUNE genannt. Nur auf ihm findet man das Spice, eine hochwirksame Droge mit unvorstellbaren Kräften. Als das Haus Atreides die Macht über ARRAKIS übernimmt, beginnt ein gigantischer Machtkampf, der in grausamen Schlachten und einem interstellaren Krieg gipfelt..”.(vgl. Dune – Der Wüstenplanet; 2005; DVD Produktbeschreibung)

“Der Kampf um die Befreiung eines Planeten von seinen Unterdrückern endet dank einer Erlöserfigur siegreich. In einer optisch reichen, originellen und bizarren Bilderwelt angelegtes, vielschichtiges Science-Fiction-Märchen. Seine soziale, ökologische und religiöse Aussage verliert durch eine wirre Dramaturgie und die nicht immer konsequente Auflösung des literarischen Stoffes in Filmsprache an Tiefe und Sinnfälligkeit. Für Fantasy- und Science-Fiction-Freunde trotz einiger Längen von Interesse.” (vgl. Lexikon des internationalen Films, 2009, S.159)

Die Prüfung

Das folgende Filmprotokoll transkribiert 30 Sekunden einer Sequenz des besagten Films. Die Sequenz trägt den Titel “die Prüfung” und beträgt insgesamt 3 Minuten und 16 Sekunden Spielzeit. Sie ist dem Film von Minute 24.04 bis 27,20 entnommen. Die Szene kann in dem Sinne als Schlüsselsequenz interpretiert werden, als dass sie die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Protagonisten demonstriert, die ihn später als Erlöserfigur kennzeichnen.

Nr. Darstellung Dialog Geräusche Kamera Zeit
1 P1 steht im Eingang eines Raumes, starrt mit angespanntem Blick P2 an - Bedrohliches Pattern; Gewitter und Regengeräusch im Hintergrund Nah; Zoom aufs Gesicht 1
2 P2 sitzt auf einem Stuhl gegenüber von P1; schaut P2 ernst und konzentriert an; hält einen schwarzen Kasten in den Händen; Du, du, du, komm her Tiefe mechanische Stimme mit Echoeffekt Nah; fixiert 2-5
3 P1 blickt unverändert, tritt einen Schritt vor, bleibt abrupt und entschlossen stehen Komm herSie benutzt die StimmeKomm herNein Echo P2FußschrittStimme P1Echo P2Stimme P1 Nah; fixiert 6-10
4 P2 blickt P1 weiterhin konzentriert an und lächelt sanftP2 schaut wieder streng Ein Anflug von Stärke, das überrascht michKomm her Stimme P2 normalStimme P2 mit Effekt Nah; fixiert 10-16
5 P1 starrt P2 weiterhin an; tritt einen Schritt nach vorn;geht auf P2 zuP1 kniet vor P2 nieder Komm herKomm her Echo P2FußschrittDonnerFußschritthoher Ton erzeugt SpannungFußschritte Nah; ZoomSchwenk 16-30

 

Abschlussbetrachtung

P1 scheint P2 in dieser Sequenz unterlegen, da diese P1 gegen ihren Willen zwingt vor ihr niederzuknien. Isoliert betrachtet wäre eine solche Beobachtung wenig aussagekräftig. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass P1 im späteren Verlauf des Films P2 in ähnlicher Weise in die Knie zwingt verdeutlicht jedoch, dass es sich hierbei um eine Schlüsselszene handelt. Für eine adäquate Filmanalyse müssten folglich beide Filmprotokolle der betreffenden Schlüsselsequenzen miteinander verglichen werden, um Aussagen über deren inhaltliche Bedeutung treffen zu können.

Die klassische 5-Akt-Struktur des aristotelischen Dramas ist bspw. “die Problementfaltung”, “die Steigerung einer Handlung”, “Krise oder Umschwung”, “Verzögerung einer Handlung” und “Happy End bzw. Katastrophe” untergliedert. Die Anzahl der Handlungsphasen variiert jedoch von Film zu Film (vgl. Faulstich, 2008,  S.84).

Quellen

  • Faulstich, Werner, Grundkurs Filmanalyse, Wilhelm Fink Verlag, Paderborn, 2.Auflage 2008
  • Red. Koll, Hans Peter; Messias, Hans; Lexikon des internationalen Films; 2009; Schüren Verlag
  • Dune – der Wüstenplanet; 1984; DVD 2005; Deutsch; Laser Paradies