03. Juni 2013 von s_7kns7r filmseminar2012/13 0

Im Auftrag des Teufels


von O. Splett

Inhalt:

Rechtsanwalt Kevin Lomax (Keanu Reeves) lebt glücklich mit seiner Freundin und seiner gottesfürchtigen Mutter in einem kleinen Ort in den Südstaaten.
Dort macht er sich mit einer Siegesserie von Fällen im Gerichtssaal einen guten Namen als Rechtsanwalt.

Durch seinen letzten gewonnenen Fall, in dem er einen eindeutigen Sexualsträftäter freigesprochen hat, ist eine große Anwaltskanzlei aus New York auf Kevin aufmerksam geworden. Kevin  hielt das beeindruckende Angebot zunächst für einen Scherz und lehnte ab. Als er merkte, dass es sich um keinen Scherz handelte, beschließt er, überwältigt von der Summe des Angebotes, zusammen mit seiner Frau Mary Ann (Charlize Theron) nach New York zu verreisen. Kevins Mutter war dagegen und warnte ihn vor dem Umzug nach New York, doch dieser packte gegen den Willen der Mutter seine Koffer.

Angekommen in New York sind Kevin und Mary beeindruckt von der großen Stadt und dem Luxus, der sie dort erwartete. Die beiden sind glücklich und planen ihre Zukunft dort.

Kevin beginnt seine neue Arbeit und gewinnt weiterhin Fälle, die ihm selbst teilweise mysteriös erscheinen. Sein neuer Chef und Mentor Milton (Al Pacino), der dass Talent in Kevin erkennt und ein starkes Interesse an Kevins Person hat, verbringt viel Zeit mit ihm.

Während Kevin viel und hart arbeitet, ist Mary allein zuhause und wird von den Anwaltsfrauen durch shoppen und häufigen Drinks abgelenkt. Trotzdem fühlt sich Mary durch Kevins häufige Abwesenheit vernachlässigt und wird unglücklich.

Währenddessen bindet Milton Kevin immer mehr an sich und nimmt ihn nach der Arbeit mit in Bars und zu Boxkämpfen. Außerdem hat Kevin schon seit einiger Zeit ein Auge auf seine Kollegin Cristabella (Connie Nielsen) geworden. Dadurch werden die Streits mit der einsamen Mary immer häufiger. Kevin will nicht wahrhaben, dass es Mary mit der Zeit immer schlechter geht und versucht sich weiter auf seinen Job zu konzentrieren, obwohl Milton ihm rät sich um seine Frau zu kümmern. Doch Kevin ist zu eitel, um einen wichtigen Fall hinzuschmeißen, da er nicht will, dass seine Siegesserie abreißt.

Die Situation spitzt sich weiter zu, Kevin merkt langsam, dass einiges in der Kanzlei nicht mit rechten Dingen zu geht. Er sieht wie Akten vernichtet werden und ein unbekannter Informant berichtet ihm nach dem mysteriösen Tod eines Kollegen, dass die Kanzlei in illegale Geschäfte auf der ganzen Welt verstrickt ist.

Mary ist mittlerweile mit ihren Nerven völlig am Ende und sitzt verstört in einer Kirche. Sie hat Wunden am Körper und sagt, dass Milton sie vergewaltigt habe. Doch Kevin glaubt ihr nicht, weil er mit Milton im Gerichtssaal war. Sie sagt Kevin, dass ihre Situation und die Streits an dem “blutigen Geld liegen und an den Fällen, die er zu unrecht gewonnen hat, doch er hört ihr nicht zu. Er denkt, dass sie den Verstand verloren hat und bringt sie zur Behandlung in eine psychiatrische Anstalt.

In ihrer Verzweiflung und von Miltons Sekretärin in die Enge getrieben, sieht Mary keinen anderen Ausweg, als sich das Leben zu nehmen. Kevins Mutter, versucht Kevin zu erklären, warum sie nicht wollte, dass sie nach New York gekommen sind und sagt ihm, dass Milton sein Vater sei.

Mittlerweile beginnt Kevin zu begreifen, dass er benutzt wurde und bewusst von Milton nach New York geholt wurde und macht sich wütend auf dem Weg zu ihm. Dieser erwartet ihn bereits und konfrontiert Kevin mit seinem eigenem Fehlverhalten als dieser versucht ihn zur Rede zu stellen. Kevin versucht ihn zu erschießen, doch erfolglos. Milton ist ein unsterbliches Wesen und wird von Kevin als Satan entlarvt.

Der Plan Miltons ist, mit seinem Sohn Kevin und seiner Tochter Cristabella, Kevins Halbschwester ein riesiges Imperium aufzubauen, in dem sie abseits von Liebe alles haben können: Macht, Ruhm und Geld. Dafür muss Kevin jedoch mit seiner Schwester Cristabella den so genannten Antichrist zeugen.

Kevin durchkreuzt Miltons Plan, indem er sich selbst das Leben nimmt. In der Wut des Teufels verbrennt Milton alles und die Szene löst sich auf. Doch anstatt den Tod findet sich Kevin im Gerrichtssaal wieder. Noch vor ihrem Umzug nach New York, als er und seine Frau noch wohlauf waren.

Er hat erkannt, dass es falsch war die Straftäter frei zu sprechen und entscheidet sich dieses mal gegen den Sexualstraftäter. Er legt sein Mandat nieder und fühlt sich gut, das moralisch richtige getan zu haben. Nach dem Fall kommt ein Journalist zu Kevin und will eine Sensationsstory über ihn schreiben. Kevin fühlt sich geschmeichelt und sagt zu. Als Kevin weg ist verwandelt sich der und nimmt Miltons Gestalt an. Dieser beendet den Film hämisch grinsend, mit dem Satz: “Eitelkeit, eindeutig meine Lieblingssünde”.

Analyse:

Ich möchte in der Analyse einige Szenen des Filmes genauer durchleuchten. Außerdem möchte ich auf die Schlüsselfiguren und einige Charakteristika des Filmes genauer eingehen.

Der Film besteht aus einem ständigen Wettstreit zwischen Gut und Böse, er ist voller religiöser Motive und Metaphern. Ständig kommt Kevin in Situationen, die ihn in einen moralischen Zwiespalt bringen und ihn das Böse, in Formen von Gier und Eitelkeit, verleitet zu “sündigen”.

Thematisierung der Sünde:

In der christlichen Religion ist die Sünde eine ethisch nicht vertretbare Handlung, mit der Ungehorsam gegenüber einem personifizierten Gott dargestellt wird. In der christlichen Theologie verlor die gesamte Menschheit Gnade durch Adams Sündenfall. Zu den Todsünden, die der Katholizismus kennt, gehören unter Anderem Hochmut, Habgier, Wollust, Zorn und Unmäßigkeit, die in dem Film an einigen Beispielen zum Ausdruck kommen.

Bereits in der ersten Szene, in der Kevin einen Lehrer verteidigt, der eine Schülerin sexuell vergewaltigt hat, wird Kevin in einen Zwiespalt gebracht. Im Laufe des Falles wird Kevin nochmal vor Augen gehalten, dass sein Mandant eindeutig schuldig ist. Er steht vor der Wahl, entweder macht er seinen Job und bringt einen Sexualstraftäter auf freien Fuß, oder er tut das moralisch richtige und lässt ihn einsperren, würde dadurch jedoch gleichzeitigden Fall verlieren. Als er auf der Toilette von einem Journalisten herausgefordert wird, der seine Siegesserie schon als beendet sieht, will Kevin den Fall gewinnen, nur damit seine Siegesserie nicht abbricht. Mit einem diabolischen Grinsen vor dem Spiegel geht Kevin entschlossen in den Gerichtssaal zurück und gewinnt den Fall. Sein Sieg wird anschließend in einer Bar mit reichlich Alkohol gefeiert wird. Der Journalist, den Kevin auf der Toilette traf, taucht auf der Party auf und konfrontiert Kevin mit der Frage, ob ein Freispruch für einen Vergewaltiger nicht ein fragwürdiger Sieg sei. Diese Szene ist ein Beispiel der Sünde Eitelkeit. Kevin hat aus dem falschen Motiv den Fall gewinnen wollen, nämlich nur um seinetwillen, damit seine Siegesserie nicht abbricht.

Auf die Sünde der Gier wird angespielt als Kevin zuerst das Jobangebot ablehnt. Erst nachdem ihm ein Scheck gezeigt wird und ihm gesagt wird, was ihn dort erwarten würde, fängt er an, sich für das Angebot zu begeistern.

Mutter und Ehefrau als Verkörperung der Moral:

Seine religiöse Mutter, die das Gute verkörpert, ist gegen den Umzug nach New York und begründet ihren Einwand mit einem Bibelzitat aus der Offenbahrung 18: “Babylon ist gefallen, dort haust der Teufel”, womit sie im wahrsten Sinne den Teufel, hier dargestellt als Milton meint. Auch Kevin kennt sich mit der Bibel aus, will aber nichts von den Worten seiner Mutter hören und zieht gegen ihren Rat nach New York.

Werte wie Religion und Familie werden in dieser Szene ignoriert, um der Gier nach Reichtum nachzugehen.

Angekommen in New York gewinnt Kevin seinen nächsten Fall und bekommt den neuen Job, indem er erneut einen eindeutig Schuldigen freigesprochen hat.

Bei dem ersten Treffen mit seinem neuen Chef John Milton verrät Kevin ihm, dass er jahrelang die Geschworenen belauscht hat, um sich so einen Vorteil zu verschaffen.

Milton zeigt sich beeindruckt von diesem Betrug. Als Kevin Milton mustert, fallen ihm die Schuhe von Milton auf, die einem Huf ähneln, die symbolisch für eine Darstellung des Teufels gesehen werden können, da der Teufel auch oft mit Hufen dargestellt wird.

Eineweitere Zentrale Rolle im Film spielt Kevins Frau Mary Ann, die schnell anfängt sich in New York unwohl zu fühlen und die Situation vor Kevin durchschaut. Zunächst arbeitet Kevin viel und sie sehen sich kaum. In Kevin’s Abwesenheit wird Mary von den anderen Anwaltsfrauen, ihren neuen “Freundinen” abgelenkt. Sie shoppen viel und trinken oft Alkohol dabei. Die Abwesenheit des Mannes und die Liebe wird hier durch Drogen, wie Alkohol und materielle Werte ersetzt.

Kevin’s Mutter ist zu Besuch und erkennt den Ernst der Lage. Sie warnt ihren Sohn wieder mit einem relgiösen Zitat “der Weg zur Verdammnis ist breit”. Die Mutter nimmt hier wieder die Stimme der Moral und des schlechten Gewissens ein, von der Kevin nichts wissen will. Er reagiert wieder abweisend, wird dazu noch wütend und flüchtet aus der Situation.

Anstatt sich um seine bedürftige Frau zu kümmern, lässt sich Kevin ständig von Milton, dem personifizierten Teufel, verleiten. Sie sind in Bars unterwegs und sind umgeben von Frauen, trinken und rauchen und Kevin verschwendet dabei keinen Gedanken an seine Frau.

Als es Mary immmer schlechter geht, bietet selbst Milton Kevin an ihn von dem Fall abziehen und rät ihm verständnissvoll sich um seine Frau zu kümmern, doch dieser hat Angst davor den Fall hinzuschmeißen und  seine Frau zu hassen, wenn sie danach wieder gesund wird. Hinzu kommt, dass Kevin erneut merkt, dass sein Mandant schuldig ist. Erneut ist es seine Eitelkeit, die ihn trotzdem weitermachen lässt.

Mary ist die einzige, die erkennt, warum sie sich in dieser Situation befinden. Obwohl sie nervlich am Ende ist, versucht sie Kevin zu erklären was ihnen geschieht. Sie sagt er hätte die Fälle nicht gewinnen dürfen, aber hat immer weitergemacht und sie haben das ganze  “Blutgeld” zu unrecht bekommen. Kevin hat ihr nicht geglaubt und er dachte sie sei verrückt geworden.

Erst nach Marys tragischem Tod und der Aufklärung seiner Mutter über Milton begreift Kevin endgültig in was für einer Lage er sich befindet. Als es scheinbar schon zu spät war, erkennt Kevin, dass er falsch lag und dem Bösen verfallen ist. Daher entschließt er, sich dem zu widersetzen und nimmt sich das Leben, um die Pläne des Teufels, seinem Vater zu vernichten.

Das Schreckensszenario ist scheinbar vorbei, als sich Kevin wieder in der Anfangsszene befindet, bevor er den Sexualstraftäter auf freien Fuß bringt. Dieses mal entscheidet er sich für das moralisch richtige und legt sein Mandat nieder. In diesem Moment handelt er richtig, doch gleich darauf verfällt er wieder seiner Eitelkeit, indem der Teufel, Milton in der Gestalt eines Reporters, ihn zu einer Sensationsstory über ihn überreden lässt. Das Spiel zwischen Gut und Böse geht also immer weiter.

Der Gerichtssaal ist ebenfalls zentrales Element, dass Regisseur Taylor Hackford bewusst ausgewählt hat. Er sagt, der Gerichtsaal habe sich Ende des 20. Jahrhunderts zur modernen Gladiatoren-Arena entwickelt. Die Leute verfolgen einen Sensationsprozess in der Öffentlichkeit, wie ein Fußballspiel. Es wird wie in einer Seifenopfer alles geboten: Drama, kaltblütige Intrigen etc. Moral und Gerechtigkeit tragen am Ende selten den Sieg nachhause und die Gewinner sind Anwälte, die vor nichts zurückschrecken. Deshalb lässt sich das Verhaltensmuster in einem größeren Zusammenhang als ein Wettstreit zwischen Gut und Böse sehen.

Bewertung:

Regisseur Hackford hat hier mehr als einen Mysterie-Thriller geschaffen. Das Thema ist zeitlos, da sich der Mensch ständig mit dem ethischen Verständnis von Gut und Böse auseinandersetzt. Jeder Mensch sollte es sehr gut auf sich selbst projezieren können, denn jeder kennt den innerlichen Konflikt von Gut und Böse oder recht und unrecht, der in diesem Film sehr gut veranschaulicht und im Gerichtsaal und den Darstellern treffend personifiziert wurde. Desweiteren wird der Film durch die vielen Metaphern, religiösenVerweise und Zitate und die Dialoge noch besser gemacht. Vieles fällt dem Zuschauer beim ersten Sehen nicht auf, da in dem Film nicht nur der Teufel im Detail steckt. Deshalb kann man sich ihn ruhig öfter anschauen und man muss auch kein Horror Fan sein, um ihn zu mögen.

Die schaupsielerischen Leistungen Von Al Pacino und Charlize Theron tragen erheblich dazu bei, dass “Im Auftrag des Teufels” ein wahrer Klassiker geworden ist.

Quellen

  • Im Auftrag des Teufels: Trailer
  • Al Pacino als John Milton: Video