03. Juli 2013 von s_zzr8ut hinduism-and-media2012 0

“Sita sings the Blues” oder wie Film hinduistische Weiblichkeitsideale (de)konstruiert

von Mario Dentice

Die perfekte Frau sollte…

Wie endet dieser Satz? Vielleicht gar nicht, da es so etwas wie die perfekte Frau nicht gibt? Es kann angenommen werden, dass jeder Mensch eigene Vorstellungen von Vollkommenheit besitzt, von der vollkommenen Beziehung, von vollkommener Schönheit, vollkommenem Glück. Schwierig zu sagen ist für mich bereits, wie meine individuelle Idee von Vollkommenheit aussehen mag, ich kann es nicht. Wie kann dann von einem kollektiven Ideal in einer Kulturgemeinschaft ausgegangen werden? Gleich es oberflächlich betrachtet Geschmackssache sein mag, was wir als erstrebenswert erachten und was nicht, so lässt ein weiter Blick auf eine gesellschaftliche Öffentlichkeit vermuten, dass es scheinbar doch einen gewissen Konsens über einige als gut erachtete Normen und Werte zu geben scheint. Messskalen wie der Body-Mass-Index oder der Schufawert geben Hinweise darauf. Der Einstieg in diesen Artikel verrät schon, dass sich dieser Text mit Vorstellungen von weiblichen Idealen befasst. Idealvorstellungen, deren Existenz kaum zu leugnen sein mag, die aber gut und gerne in Frage gestellt werden dürfen. Genau das tut Nina Paley in ihrem hausanimierten Film “Sita sings the Blues“.

Man nehme einen Jahrhunderte alten mythologischen Hindu-Epos, füge eine Prise moderner Beziehungsprobleme hinzu, vermische das Ganze noch mit Jazzstücken aus den zwanziger Jahren. Dann kräftig in der Satireschüssel rühren und heraus kommt “the greatest break up story ever told”, ein Film, der hinduistische Weiblichkeitsideale nicht nur aufgreift, sondern auf humorvolle Weise an den Pranger stellt.

 

Der Film

Sita sings the Blues” ist ein 2008 erschienener Animationsfilm, den die Amerikanerin Nina Paley fast ausschließlich in Heimarbeit selbst fertiggestellt hat. Er erzählt die Geschichte zwischen Sita, der Mensch gewordenen Göttin Laksmi, und Rama, einer Manifestation Vishnus, basierend auf einer individuellen Auslegung des hinduistischen Epos Ramayana. Protagonistin des Filmes ist Sita, die ihr Leben der hingebungsvollen Liebe zu Rama widmet, die im Laufe der Erzählung mehrmals auf die Probe gestellt wird. Eingebettet in diesen Erzählstrang sind Musical ähnliche Jazzeinlagen, die im Film von Sita gesungen werden. Die Lieder stammen von Annette Hanshaw. Ebenso ist ein Schattentheaterspiel Teil der Liebesgeschichte, in dem drei Personen als Schattenpuppen die Geschichte kommentieren und diskutieren. Letzten Endes gehört zum Film noch eine Parallelerzählung von der Scheidung zwischen Nina Paley und ihrem damaligen Ehemann.

Das Intro des Filmes setzt sich aus einer Szene zusammen, in der Laksmi auf einer Blüte an der Oberfläche eines Gewässers treibt und zu einem Lied von Annette Hanshaw tanzt. Die Platte springt an einer Stelle und der Gesang “a woman like me” wiederholt sich mehrmals. Als Laksmi den Plattenspieler bedienen möchte, wechselt die Szene mit einer Explosion. In einem Farbeffektespiel erscheint der Titel des Films begleitet von “exotischer” Musik. Diese wird nach der Einblendung der Credits im Vorspann poppiger, Vishnu tritt ins Bild. Die zweite Szene der Einleitungssequenz spielt im Weltraum. Laksmi massiert einem zufrieden wirkenden Vishnu die Füße. Nach insgesamt knapp über fünf Minuten beginnt der Film in San Francisco. Nina Paley arbeitet hier die autobiographische Geschichte ihrer Trennung von ihrem Exmann in den Film ein. Die Entwicklung dieser Beziehung verläuft sehr vereinfacht zusammengefasst in kurzen Einschüben parallel zu der Beziehung zwischen Sita und Rama, der Haupthandlung.

Diese beginnt mit der Erzählung davon, wie Rama aus dem Königreich seines Vaters verbannt wird und Sita ihm als seine treue und ergebene Ehefrau folgt.

Im Exil leben Sita und Rama zunächst glücklich miteinander, bis sie auf einen Hinterhalt Ravanas hereinfallen. Sita wird entführt und Ravana versucht Sita mit Drohungen dazu zu bringen, seine Frau zu werden. Diese ist – davon völlig unerschrocken – mit ihren Gedanken nur bei ihrem geliebten Ehemann Rama.

Mit der Hilfe Hanumans und seiner Affenarmee gelingt es Rama schließlich, Sita zu befreien. Doch die freudige Wiedervereinigung bleibt aus. Rama zweifelt an Sitas Reinheit, da sie – gezwungenermaßen, doch das spielt keine Rolle – Nächte  im Hause eines anderen Mannes verbracht hat. Ihre Unschuld beweist Sita durch eine sakrale Feuerprobe, doch selbst das befriedet Rama nur, bis das Volk scheinbar aufhört, einen von seiner Frau in Unehre gezogenen Rama zu respektieren.

Um sein Ansehen zu wahren, verbanntseine Gattin (welche, ohne dass Rama es weiß, inzwischen von ihm schwanger ist).

Selbst im Exil drehen sich Sitas Gedanken nur um Rama, die Schuld für ihre Ungnade sucht sie bei sich selbst. Valmiki, den Sita im Exil trifft, unterrichtet Sitas Zwillingssöhne Kush und Luv und bringt ihnen Lobgesänge auf Rama bei.

Als nun Rama eines Tages den Wald durchstreift, nimmt er den Gesang wahr und folgt ihm zu dem Ort, an dem sich Sita mit ihren gemeinsamen Kindern aufhält. Er fordert seine Söhne auf, ihn in seinen Palast zu folgen. Sita wiederum soll durch eine Probe ihre Reinheit erneut unter Beweis stellen. Sie lässt sich darauf ein, unter der Voraussetzung jedoch, dass die Mutter Erde sie zurücknimmt, sofern sie ihrem Gatten stets treu ergeben gewesen ist. Genau dieser Fall tritt ein und Rama bleibt mit einer einsamen Träne zurück.

Der Film endet, wie er begonnen hat, mit einer Szene aus dem Leben Paleys – mit einer lächelnden Protagonistin. Die Musik aus dem Intro läutet das Outro ein, in welchem Vishnu nun vor gleicher Kulisse wie in der Einleitung Laksmi die Füße massiert. Auf ein Zwinkern Laksmis für ihr Publikum folgen die Credits.

 

Das Weiblichkeitsideal

“The greatest break-up story ever told” lautet die Tagline von Sita sings the Blues. Dabei ist “greatest” vielleicht nicht als Bewertung gemeint, sondern lediglich als Beschreibung für eine große, bedeutende Trennung zwischen zwei Fleisch gewordenen Gottheiten, die jeweils die ideale Frau und den idealen Mann einer Traditionsgemeinschaft verkörpern. Zwei hingebungsvoll Liebende, mit heiliger Reinheit und Weisheit Ausgestattete schaffen es nicht, ihre Partnerschaft zu erhalten. Ob es Paleys Hauptanliegen gewesen ist, durch die Satire Kritik an den im Ramayana präsentiertem Frauenbild zu üben, kann nur die Macherin selbst entscheiden, zweifellos demontiert der Film jedoch auf seine humorvolle Art darin dargestellte Rollenmuster.

Frauen in Indien

In Indien leben derzeit über 1,2 Mrd. Menschen (Stand: 2013) und ein homogenes Frauenbild zu unterstellen wäre nicht nur kurzsichtig, sondern schlicht falsch. Tatsächlich haben sich die gesetzlichen Frauenrechte in Indien über die letzten Jahre deutlich erweitert. Doch eine Gesetzeslage allein gibt wenig Aufschluss über den Status einer Gemeinschaft. Einige statistische Daten helfen, ein genaueres Bild der Lage der Frauen in Indien zu zeichnen, wobei dieses Bild je nach regionaler, sozialer, als auch kultureller Lage sehr unterschiedlich sein kann.

Offiziell ist die Frau in Indien den Männern gleichgestellt, eine gesetzliche Frauenquote trägt dazu bei, dass viele Stellen in der Verwaltung durch Frauen besetzt sind. Auch in der Wirtschaft finden sich Frauen in leitenden Positionen. Trotz alledem ist die rechtliche Parifikation nicht konsequent. Besonders in familiären Bereichen werden männlichen Bürgern mehr Rechte zugesprochen. Von den Demokratisierungsentwicklungen profitieren ebenfalls vorrangig Männer, besonders in traditionell geprägten Bevölkerungsteilen werden Frauen – um es nicht wertend auszudrücken – in von Männern abhängenden Rollen gesehen. Aus einer Emanzipation befürwortenden Perspektive kann auch gesagt werden, Frauen werden zu weiten Teilen noch marginalisiert und sogar diskriminiert, wofür nicht nur die hohen Zahlen an Gewalttaten gegen Frauen sprechen. Ob die seit Jahren anhaltende Frauenbewegung in Indien es schafft, die Rechte der Frauen zu erweitern und ein Bewusstsein der Gleichbehandlung in der Gesamtbevölkerung zu schaffen, bleibt abzuwarten, viele Erfolge konnte sie bis heute bereits erwirken. Grob zusammengefasst hängt der Status einer Frau zum Einen von Region, Religion und Kaste sowie von Bildungs- und wirtschaftlichem Stand ab, zum Anderen ebenso vom Lebensbereich und individuellen, biographischen Erfahrungen. Unter 1,2 Mrd. Menschen finden sich dabei die verschiedensten Umstände für Frauen und wenngleich eine vollständige, konsequente Gleichstellung noch nicht stattgefunden hat, bemühen sich doch Kräfte in Staat und Gesellschaft stark darum.

Speziell im Hinduismus, wie in vielen Religionen, sind die Rechte nicht persönlich, sondern funktional bedingt. Die Notwendigkeit der Mitgift und die Nicht-Fähigkeit der Ernährung der eigenen Familie schwächt dabei die Stellung der Frau in der hierarchischen, auf der brahmanisch-sanskritischen Tradition basierenden Struktur. So nimmt die Ehefrau ohne Söhne, die in eine patriarchalische Linie einheiratet, die niedrigste Stellung in dieser Familie ein. Andererseits erhält sie durch ihre Funktion als Ehefrau und vor allem Mutter auch ihre funktionsbedingte Würdigung. Ohne die Ehefrau wäre ein kongruentes Familienbild nicht möglich und somit ist auch ihr männlicher Gegenpart nicht vollständig. Eben diese funktionale Rollenverteilung bringt Männer und Frauen in gegenseitige Abhängigkeit, wobei der Mann dabei bessere Möglichkeiten hat, seine persönlichen Interessen durchzusetzen. Völlig unberücksichtigt bleiben hierbei die Frauen, die aus welchen Gründen auch immer unverheiratet sind. Michaels bietet für die spannungsgeladene, zwiegespaltene Situation der Frauen eine sehr prägnante Gegenüberstellung der patrifokalen und matrifokalen Perspektive, wenn er schreibt:

Als Tochter geduldet, als Schwester (des Bruders) geliebt, als Gattin gefürchtet, als Mutter (eines Sohnes) verehrt – [...] als Jungfrau vergöttlicht, als Tochter und Schwester (des Bruders) geliebt, als Ehefrau gebraucht und geachtet, als Mutter (eines Sohnes) gestärkt und gehuldigt, als Großmutter verehrt. (Michaels, S.140f)

Dieses Weiblichkeitsideal, dessen Aufrechterhaltung und Weitergabe Aufgabe einer jeden sich hingebenden Frau dieses Glaubens ist, findet seine vollkommene Manifestation in Sita.

Sita – die perfekte Ehefrau

Sita ist eine Inkarnation Sri-Laksmis und als solche im brahmanischen Hinduismus definiert durch ihre bedingungslos loyale Bindung an ihren Gatten Rama. Vor der Erwähnung im Ramayana war Sita eine eher unbedeutende Fruchtbarkeitsgöttin, die davon abhing, von der männlichen Kraft belebt zu werden.

Die ideale Pativrata Sita gelobt (vrat) ihren Mann (pati) zu schützen und ihm treu zur Seite zu stehen. Sita ist ein Kind der Erde. Das Wort leitet sich aus dem sanskritischen Wort für Furche oder eine vom Pflug gezogene Linie ab. Als solche verkörpert sie Fruchtbarkeit. Ihre wichtigsten Attribute sind weibliche Hingabe, Keuschheit und Nachsicht sowie Selbst-Bescheidenheit, Selbst-Opfer und das Eingebettetsein in familiären Beziehungen. Sie hängt auf mehreren Ebenen vollständig von ihrem Mann ab, das Wohlergehen des Mannes wiederum hängt von ihrem sittlichen Verhalten ab. Kommt Sita ihrer Pflicht nicht nach, kann dies zu Krankheit oder sogar zum Tode des Mannes führen. Sita nimmt keine individuelle Rolle außerhalb dieser Funktion war, insofern ist sie durch ihren Ehemann determiniert und definiert. Dieses Weiblichkeitsideal wird im Film ”Sita sings the Blues” oberflächlich betrachtet aufgegriffen und präsentiert, bei genauerer Betrachtung jedoch deutlich kritisiert und dekonstruiert.

Weiblichkeitsideale im Film – die Abfertigung

Der Film ”Sita sings the Blues” ist ein Erlebnis, das ist meine persönliche Meinung. Die verschiedenen Elemente, die Paley in ihrem Werk miteinander vereinigt, ohne dabei etwas völlig Neues zu erschaffen, ist eine Meisterleistung. Es ist schwierig, bei dem Film nicht laut loszulachen. Doch worin steckt der Witz, basiert der Film doch auf einem bedeutendem und keineswegs ironisch gemeintem Werk, einer wichtigen literarischen Grundlage einer Religion? Nicht alle haben der künstlerischen Freiheit Paleys Toleranz entgegengebracht, das belegen die Drohbriefe, die Paley erhalten habe, so berichtet sie in einem Interview. Dies zeigt, dass der Film in seiner satirischen Form auch Kritik übt oder wertender ausgedrückt, spöttelt.

Tatsächlich fühlte ich im Laufe des Filmes ein gewisses Mitgefühl für die Protagonistin Sita, in dem gleichzeitig eine leicht verächtliche Abneigung gegen die Naivität der Protagonistin mitschwang, die sich in ihrer Unterwürfigkeit – ich möchte fast sagen, Fixierung – alles gefallen ließ. Zum Ende wandelte sich mein Gefühl in solidarische Genugtuung und während des Outros feierte ich in einem Schmunzeln den Sieg Sitas über Rama. In diesem Absatz ist deutlich meine Perspektive zu erkennen, die meinen Werten und meiner Erziehung geschuldet ist. Doch möchte ich versuchen, den Film objektiv zu zerlegen, um hinter die evidente Oberfläche zu schauen.

Zunächst sind die Figuren dabei äußerlich zu betrachten, die – so vermute ich – nicht zufällig so aussehen, wie sie aussehen. Große Augen, lange Haare und ich möchte sagen, eine Sanduhrfigur. Stets prächtig gekleidet und ausgiebig geschmückt, eine übertriebene Darstellung – vielleicht; ein deutlich vermitteltes Schönheitsideal, das von Paley offensichtlich inszeniert wird.

Weiter sind die oben beschriebenen Weiblichkeitsideale in der Hauptfigur wiederzufinden. Eine von Rama unabhängige Persönlichkeit besitzt Sita bis zur letzten Sequenz des Filmes nicht. Jeder ihrer Gedanken ist Rama gewidmet. Ihr einziges Leitmotiv im Film ist, Rama ergeben zu sein und entsprechend ihrer Rolle zu denken und zu handeln. Selbst in Gefangenschaft gelten ihre Sorgen ihrem Geliebten, die Schuld für ihre Verbannung sucht sie bei sich selbst. Dass Sitas Vollkommenheit ihr Macht verleiht, deutet sich in der Szene an, in der sie Ravanas Drohung erwidert. Dort erwähnt sie ihre übermenschlichen Kräfte, die sie nur nicht einsetzt, weil Rama es ihr nicht befohlen habe.

Kurz gesagt, Sita erfüllt ihre Rolle als perfekte Hindu-Ehefrau in vollem Maße, was sie sogar durch eine Feuerprobe unter Beweis stellt. Bis hierhin möchte man meinen, dass ein Frauenbild vermittelt, nicht jedoch kritisiert, schon gar nicht dekonstruiert wird. Doch beim Anschauen des Filmes wird genau dies schnell sehr deutlich.

Paley benutzt in ihrem Film ein Arsenal an satirischen Mitteln, um die Rolle der Frau zu zerpflücken und mit ihr abzurechnen. Beginnend bei der übertriebenen visuellen Darstellung der Figuren, die so sehr ins Auge fällt, dass es schwer ist, diese ernst zu nehmen. Um allerdings zu verstehen, dass es sich bei dem Film nicht um eine Verhöhnung der religiösen Schrift, sondern um eine Persiflage auf die – gelinde gesagt – bedingungslose, profane Liebe einer Frau zu ihrem Gatten handelt, muss das sakrale Moment aus dem Film herausgenommen werden. Den Film als Kritik am Glauben, sogar nur als Kritik am Ramayana zu sehen, wäre meiner Meinung nach fehlinterpretiert, viel mehr bin ich davon überzeugt, Paley stellt die weibliche – und vor allem weltliche – Rolle der guten Ehefrau in Frage. Die Filmemacherin entheiligt die sakrale Dimension in der Figur Sitas, indem sie die Gründe der Abhängigkeit in die Liebe verschiebt. Diesen Perspektivwechsel verstärkt sie durch die Jazz-Einlagen, die keinerlei Bezug zu religiösen Themen haben. Dass darin etwas komisches liegt, ergibt sich aus der eigentlich absurden Vermischung von religiösen Geschichten aus Indien mit Jazzmusik aus den USA der zwanziger Jahre, die einfach nur wunderbar funktioniert.

Obwohl versucht wird, der Geschichte zu folgen und keine Handlungen hinzu zu erfinden, bleibt der gesamte Film komisch. Neben der comichaften Konzipierung der Figuren und Bewegungen, trägt das Schattenpuppentheaterspiel dazu bei. Die Schattenpuppen werden dabei von indisch-amerikanischen Personen gesprochen. Der gesamte Text sei ohne Vorlage gesprochen worden, so Paley. In der mangelnden Struktur dieser kommentierenden Gespräche liegt der Witz. Die drei Sprecher_innen unterbrechen, korrigieren und ergänzen sich gegenseitig. Jegliches religiöse Moment wird durch die moderne Umgangssprache, mit der im Schattentheater vom Hindu-Epos erzählt wird, entschärft. In den dabei entstandenen Diskussionen kommen auch verschiedene Positionen zum Vorschein, darunter kritische, die – das sei noch einmal betont – zu jedem Zeitpunkt komisch bleiben, ohne zu verallgemeinern.

Zusammenfassend wird deutlich, dass Paley hier eine Trennungsgeschichte karikiert, nicht etwa das Ramayana als heilige Schrift. Auch die Parallelisierung dieser Erzählung zu der autobiographischen Geschichte der Scheidung Paleys verdeutlicht die Frau, ihre abhängige Liebe und ihre Katharsis als zentrales Thema des Films. Die Autorin bedient sich zwar der Handlung und Motiven aus dem Epos, kritisiert dabei aber nur das Bild einer Frau, die ihrem Mann, trotz seiner Verfehlungen, naiv zu Füßen liegt und seine Fehler durch ihr eigenes Fehlverhalten erklären möchte, obgleich sie sich nicht einmal etwas zu Schulden kommen lässt. Nina Paley dekonstruiert dieses Ideal, lässt es nach und nach bröckeln, um in der letzten Szene schließlich mit dem Frauenbild Sita abzurechnen und Rama in seiner selbst verschuldeten Trauer zurückzulassen. Ein gelungenes Werk mit individualsozialer und gesellschaftlicher Relevanz, dass durchaus in der Lage ist, zum Lachen und zum Nachdenken anzuregen.

Quellen

  • Kinsley, David: Indische Göttinnen – Weibliche Gottheiten im Hinduismus. Insel Verlag. Frankfurt a. M. (1990).
  • Michaels, Axel: Der Hinduismus – Geschichte und Gegenwart. Verlag C.H.Beck. München (1998).

Internetquellen

  • http://www.bpb.de/internationales/asien/indien/44429/frauen-in-indien (Stand: 20.03.2013)
  • http://www.bpb.de/internationales/asien/indien/44443/politisches-system (Stand: 18.05.2013)
  • http://www.britannica.com (Stand: 18.05.2013)
  • http://coilhouse.net/2008/11/sing-those-blues-sita/ (Stand: 20.03.2013)
  • https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/LaenderRegionen/Internationales/Land/Asien/Indien.html (Stand: 20.03.2013)
  • http://mospi.nic.in/Mospi_New/site/inner.aspx?status=1&menu_id=27 (Stand: 20.03.2013)
  • http://sepiamutiny.com/blog/2009/03/05/sita_sings_the_1/ (Stand: 20.03.2013)
  • http://www.sewa.org/ (Stand: 18.05.2013)
  • http://www.sitasingstheblues.com/ (Stand: 20.03.2013)
  • http://www.wired.com/entertainment/hollywood/news/2008/04/sita?currentPage=all (Stand: 20.03.2013)