Schlagwort: 'Geimer'

21. November 2011 von Simon Heider netmethods2011 0

Dokumentarische Bild und Filmanalyse

von Simon Heider (Uni Göttingen) und Till Holzapfel (Uni Bremen)

Dokumentarische Bild- und Filmanalyse

Dieser Aufsatz ist als Reflexion eines Vortrags über die Methoden der dokumentarischen Bild- und Filminterpretation im Rahmen des Workshops „Religionswissenschaft zwischen 0 und 1: Methodische und theoretische Überlegungen zur Internetforschung“ entstanden. Referent war Dr. Alexander Geimer. Dargestellt werden sollen hier in knapper Form die Grundsätze der dokumentarischen (auch bekannt als rekonstruktiven) Sozialforschung mit einem besonderen Blick auf die dokumentarische Bild- und Filmanalyse. Daraufhin sollen diese Methoden auf das Gemälde „Lilith“ von John Collier aus dem Jahr 1892 angewandt werden und schließlich vor diesem Hintergrund knapp reflektiert werden.

Dokumentarische Verfahrensweisen werden in der Sozialforschung auch als rekonstruktive Methoden bezeichnet. Sie werden generell von hypothesenprüfenden Verfahren abgegrenzt. Entstanden sind rekonstruktive Verfahrensweisen vor dem Hintergrund der Kritik, dass sich die sozialwissenschaftliche Interpretation eines Zusammenhangs in ihrem Wesen nicht von alltäglicher Interpretation unterscheidet. Ein Sachverhalt kann von Sozialwissenschaftler_innen nur verstanden werden, wenn zwischen der betrachteten Person oder Gruppe und den Forschenden ein Konsens in Form eines gemeinsamen Verständnismusters besteht. Dieser Konsens in Form eines Verständnismusters ist sowohl im Rahmen von wissenschaftlicher Analyse als auch bei der Interpretation von Alltagssituationen der gleiche. Die Stärke der rekonstruktiven Verfahrensweisen liegt darin, dass eben dieser Konsens thematisiert wird. Ein Interview, das auf dieser Grundlage geführt wird, muss (anders als in hypothesenprüfenden Verfahrensweisen) offen gestaltet werden. D.h. die Interviewten müssen ihre Prioritäten selbst setzen können. Die Sinnhaftigkeit, die in diesen Prioritäten deutlich wird, muss dann von den Forschenden rekonstruiert werden. Weil dabei ein den Dingen zugrunde liegendes Muster rekonstruiert bzw. dokumentiert wird, werden diese Verfahrensweise auch als dokumentarisch bezeichnet (vgl. Bohnsack 2010).

Artikel komplett lesen…

Die Analyse der medialer Angebote, ihrer Beschaffenheit und implizit oder explizit vermittelter Inhalte ist ein zentrales Thema der Forschung zu Religion im Internet, das im NOWETAS-Workshop mit verschiedenen Inputs behandelt wurde. Daneben kann aber bei der Arbeit zu “Religionswissenschaft zwischen 0 und 1“ eine weitere Fragestellung relevant werden: die nach der Rezeption und Aneignung der Online-Inhalte durch ihre Nutzer. Unter der Perspektive einer praxeologischen Rezeptions- und Aneignungsforschung stellte Dr. Alexander Geimer eine mögliche Herangehensweise an Forschungsfragen rund um solche Aneignungsprozesse vor. Ich möchte im Folgenden vor allem diesen Ansatz einführend skizzieren. In Ergänzung dazu werde ich abschließend auf die Anwendung dieses Ansatzes bei der Rezeptionsforschung zu Online-Inhalten eingehen und hier einige Punkte aufwerfen, die mir besonders zentral erscheinen. [1]

Praxeologische Rezeptions- und Aneignungsforschung

Welche grundlegenden Ideen beinhaltet das Konzept der praxeologischen Rezeptions- und Aneignungsforschung? Forschungsfeld dieses Ansatzes sind die Prozesse, mit denen sich Menschen mediale Inhalte bzw. ein mediales Angebot aneignen – etwa, wie in den Forschungen des Referenten, Kino-Blockbuster.

Der Fokus auf Filmrezeption

Filme sind allgegenwärtiger Bestandteil unserer Alltagskultur – nicht nur, indem wir sie sehen, sondern auch, indem wir darüber sprechen oder andere Bestandteile unserer Kultur Bezug auf sie nehmen. Nach den Grundfragestellungen der praxeologischen Rezeptions- und Aneignungsforschung interessiert aber nicht der Film als mediales Produkt mit seiner Machart oder seinen Aussagen; im Mittelpunkt steht vielmehr die Bezugnahme von Menschen auf Filme – etwa „Was machen Jugendliche mit Filmen? Was machen Filme mit Jugendlichen? Was lassen Jugendliche durch Filme mit sich machen?“ (Geimer 2010, 16)

Artikel komplett lesen…