Viele Menschen des Westens behaupten von sich selbst, Tantriker zu sein oder mit tantrischen Einflüssen in Verbindung gekommen zu sein. Dabei, so sagt Francis King, praktizieren sie wilde Sexualpraktiken oder betreiben maßlosen Drogenkonsum und glauben von sich selbst, ein religiöses Motiv zu verfolgen. Diese selbstbezeichneten Tantriker sollte man mit äußerster Skepsis betrachten, denn sie haben nach King nicht den Sinn der Aussage im Tantra verstanden, der auf die innere Befreiung der vorhanden Energiepotenziale abzielt. Doch was macht einen wahren Tantriker aus? Gibt es Techniken, die jeder Tantriker beherrschen sollte? Und wenn ja, wie sehen diese aus? Artikel komplett lesen…

Es gibt viele Versuche, Tantra zu erklären: sowohl im Osten als auch im Westen. Verschiedene Gesichtspunkte wurden im Laufe der Verbreitung und Bekanntmachung des Tantra in Europa immer wieder besonders hervorgehoben. Der Engländer und Orientalist Arthur Avalon, ein britischer Richter in Indien und Rechtsprofessor an der University of Calcutta, hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, was Tantra für den Westen bedeutet und wie er dort praktiziert wird. Zudem hat er in Indien praktische Erfahrungen gesammelt und sich im Tantra unterrichten lassen. Arthur Avalon (benannt nach der keltischen Sage) wurde unter dem Namen John Woodroffe als Sohn eines Bengaler Anwalts geboren. Nach einem erfolgreichen Studium am University College in Oxford, nahm er eine Stelle als Advokat in Kalkutta an, der Hauptstadt Bengalens. Er wurde Professor an der University of Calcutta. 1902 wurde er Berater der indischen Verwaltung und zwei Jahre später Richter am Calcutta High Court. 1915 wurde er zum Präsidenten dieses Obergerichts ernannt. Nach seiner Rückkehr nach London lehrte er indisches Recht an der University of Oxford. Nach seiner endgültigen Pensionierung lebte er in Frankreich, wo er 1936 starb. Avalon war an indischer Philosophie interessiert und studierte Sanskrit. Er vertiefte sich mit Hilfe eines indischen Gurus in die Lehre des tantrischen Shaktismus (Shaktismus ist einer geläufigen Einteilung zufolge eine der drei großen Hauptrichtungen des Hinduismus neben Shivaismus und Vishnuismus, die die Göttin Shakti quasi monotheistisch als Erlösungs- und Muttergottheit verehrt) und veröffentlichte mehrere Schriften darüber.
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Bestimmt hat jeder schon einmal von ihm gehört: doch ein Guru, was ist das eigentlich genau und was verbinden wir mit ihm?
1. Guru allgemein/Was genau ist eigentlich ein Guru?
Ein Guru (sanskrit: schwer, gewichtig) ist ein religiöser Titel für einen spirituellen Lehrer, geistigen Führer oder Meister im Hinduismus, im Sikhismus (dort heißt sogar der Religionsstifter Guru Nanak) und im Tantra (sowohl in hinduistischen wie im buddhistischen Tantra). Dies beruht auf dem philosophischen Verständnis von der Bedeutung des Wissens im Hinduismus. Der Lehrer ist für den Schüler unentbehrlich für die Suche nach Wissen und den Weg zur Erlösung. Bis heute hat der Titel in Indien und unter den Anhängern der genannten Glaubensrichtungen seinen bedeutsamen Stellenwert behalten. Der Guru liest oft aus den heiligen Schriften, da viele seiner Schüler oftmals Analphabeten sind. Der Guru darf kein Geld für seinen Tätigkeiten verlangen, wird aber oftmals, da er keinen festen Lebensunterhalt hat, mit teuren Geschenken und Spenden seiner Schüler versorgt. Die Aufgaben eines Gurus sind insbesondere durch Erfüllung des dharma (Gesetz / Ordnung / Recht / Rechtschaffenheit / Sitte / Pflicht / Religion / Tugend) die Befreiung des Schülers aus dem leidvollen Kreislauf der Wiedergeburten (moksa) oder ihm eine günstigere Wiedergeburt zu verschaffen. Der Guru lebt häufig in einem sogenannten asrama.
Im westlichen Kontext hat die Bezeichnung Guru oftmals eine andere, inkorrekte Konnotation, wohl jedem bekannt ist ein sogenannter Gesundheitsguru oder auch ein Börsenguru. In diesem Zusammenhang kann ein Guru einfach ein Fachmann mit überdurchschnittlichen Wissen und langer Erfahrung auf und in einem Gebiet oder auch ein geistiges Idol sein. In dieser Verwendung wird die Bezeichnung manchmal auch abwertend oder spöttisch gemeint. Dieser Gebrauch des Wortes Guru hat jedoch nichts mit seiner eigentlichen Bedeutung zu tun. Wichtigstes Merkmal eines Guru ist seine charismatische Ausstrahlung, neben seinen didaktischen Kompetenzen, Geduld, Autorität, Gelassenheit, Weisheit, persönlicher Erfahrung und der Fähigkeit die heiligen Texte lesen zu können. Theoretisch kann also jeder, der diese Eigenschaften aufweist, von denen Charisma vielleicht sogar die Wichtigste ist, ein Guru werden, egal ob Mann oder Frau. Oftmals wird ein Guru wie ein Gott verehrt. Er stellt eine Autorität (adhikara) dar. Der Begriff Guru taucht zum ersten Mal in den frühen Upanischaden, philosophische Schriften aus dem 6. Jahrhundert vor Christus auf. Das Wort „upanischad“ bedeutet wörtlich „sich zu Füßen (des Gurus) setzen“. Formal handelt es sich dabei um einen philosophischen Dialog zwischen einem Guru und einem Schüler. Der Guru beantwortet dabei die Fragen des Schülers.Der Guru ist der Verleiher des Wissens, vidya. In den heiligen Schriften gilt er als Vertreiber der geistigen Dunkelheit (avidya).Ursprünglich bezeichnete man mit Guru den leiblichen Vater, der die religiöse Erziehung seines Sohnes vornahm, ihm Teile des Veda lehrte und für ihn die Übergangsriten, die samskaras, arrangierte. Mit der Zeit wurde der Vater als Lehrer von religiösen Spezialisten (Hauslehrer) abgelöst, die ursprünglich nur die Söhne der oberen drei Kasten (Varna) in vedischer Zeit lehrten, im religiösen und ethisch-sozial korrekten Verhalten aber auch in den Realwissenschaften unterrichteten. Artikel komplett lesen…