
Es gibt viele Versuche, Tantra zu erklären: sowohl im Osten als auch im Westen. Verschiedene Gesichtspunkte wurden im Laufe der Verbreitung und Bekanntmachung des Tantra in Europa immer wieder besonders hervorgehoben. Der Engländer und Orientalist Arthur Avalon, ein britischer Richter in Indien und Rechtsprofessor an der University of Calcutta, hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, was Tantra für den Westen bedeutet und wie er dort praktiziert wird. Zudem hat er in Indien praktische Erfahrungen gesammelt und sich im Tantra unterrichten lassen. Arthur Avalon (benannt nach der keltischen Sage) wurde unter dem Namen John Woodroffe als Sohn eines Bengaler Anwalts geboren. Nach einem erfolgreichen Studium am University College in Oxford, nahm er eine Stelle als Advokat in Kalkutta an, der Hauptstadt Bengalens. Er wurde Professor an der University of Calcutta. 1902 wurde er Berater der indischen Verwaltung und zwei Jahre später Richter am Calcutta High Court. 1915 wurde er zum Präsidenten dieses Obergerichts ernannt. Nach seiner Rückkehr nach London lehrte er indisches Recht an der University of Oxford. Nach seiner endgültigen Pensionierung lebte er in Frankreich, wo er 1936 starb. Avalon war an indischer Philosophie interessiert und studierte Sanskrit. Er vertiefte sich mit Hilfe eines indischen Gurus in die Lehre des tantrischen Shaktismus (Shaktismus ist einer geläufigen Einteilung zufolge eine der drei großen Hauptrichtungen des Hinduismus neben Shivaismus und Vishnuismus, die die Göttin Shakti quasi monotheistisch als Erlösungs- und Muttergottheit verehrt) und veröffentlichte mehrere Schriften darüber.
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Kambodscha ist immer eine Reise wert. Eine Reise nach Kambodscha ist immer auch eine Reise nach Angkor: Tempelanlage, Weltkulturerbe, Nationalheiligtum und Touristenhochburg des Landes. Nicht umsonst fahren jeden Tag Ströme von Bussen in die alte Hauptstadt des Landes. Die faszinierende Metropole vermittelt wahres Indiana-Jones Feeling und ist ein wahres ”Mekka” für Archäologen. Bestimmt hat jeder schon einmal von Angkor gehört, doch was hat es damit genau auf sich?
1. Das alte Kmerreich/Einleitung
Angkor war die Hauptstadt des alten Khmerreiches im Nordwesten von Kambodscha, einer bedeutenden Hochkultur. Sie ist die größte Tempelanlage der Welt und noch heute Pilgerstädte für zahlreiche Buddhisten. Yashovarman der Erste machte Angkor zur Hauptstadt, zum politischen und religiösen Zentrum des Reiches. Er nannte die Stadt Yashodharapura. Die folgenden Könige vergrößerten die Stadt und bauten weitere Tempel, die verschiedenen Hindu-Göttern geweiht waren. Im 13. Jahrhundert hatte Angkor eine Fläche von rund 100 Quadratkilometern und war eine der größten Städte der Welt. Da sie durch Angriffe bedroht wurden, verließen die Kambodschaner um 1430 Angkor und verlegten die Hauptstadt an einen anderen Ort, ins heutige Phnom Penh. Danach blieb ausschließlich Angkor Wat als buddhistische Pilgerstätte erhalten, während die Stadt zerfiel. Erst im 19. Jahrhundert begannen französische Archäologen, sie wieder auszugraben. 1987 begannen die Restaurierungsarbeiten. 1997 wurde Angkor nach langen Kriegszeiten wieder für den Tourismus zugänglich gemacht.
Die Khmer stellen die Bevölkerungsmehrheit der kambodschanischen Bevölkerung. Die Khmer zogen um 200 vor Christus aus dem Gebiet des heutigen Thailand in das Mekongdelta hinab. Über Jahrhunderte unterlag ihre Kultur dem Einfluss Indiens. Dieses riesige Reich, dessen Blütezeit zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert war, ist heute für Kunst und Architektur bekannt, so zum Beispiel für den Tempel von Angkor Wat. Als das Königreich seine politische Vormachtstellung in der Region an Thais und Vietnamesen verloren hatte, musste es die Franzosen um Schutz ersuchen, der ihnen 1864 gewährt wurde. 1887 wurde es Teil der Kolonie Französisch-Indochina.
Bevor die roten Khmer landwirtschaftliche Kollektive einführten, lebte die Mehrheit der Bevölkerung als Selbstversorger von Reisbau und Fischfang. Die meisten Khmer sind heute Buddhisten. Die traditionelle Gesellschaft der Khmer bestand aus sechs Klassen: der königlichen Familie; den Brahmanen, welche die königlichen Rituale durchführen; Mönchen, Beamten; Bürgern und Sklaven. Bevor die berüchtigten revolutionären roten Khmer an die Macht kamen, lebte die Bevölkerung meist in der Nähe der Klöster, die auch großen Einfluss auf das weltliche Leben ausübten. Artikel komplett lesen…

Bestimmt hat jeder schon einmal von ihm gehört: doch ein Guru, was ist das eigentlich genau und was verbinden wir mit ihm?
1. Guru allgemein/Was genau ist eigentlich ein Guru?
Ein Guru (sanskrit: schwer, gewichtig) ist ein religiöser Titel für einen spirituellen Lehrer, geistigen Führer oder Meister im Hinduismus, im Sikhismus (dort heißt sogar der Religionsstifter Guru Nanak) und im Tantra (sowohl in hinduistischen wie im buddhistischen Tantra). Dies beruht auf dem philosophischen Verständnis von der Bedeutung des Wissens im Hinduismus. Der Lehrer ist für den Schüler unentbehrlich für die Suche nach Wissen und den Weg zur Erlösung. Bis heute hat der Titel in Indien und unter den Anhängern der genannten Glaubensrichtungen seinen bedeutsamen Stellenwert behalten. Der Guru liest oft aus den heiligen Schriften, da viele seiner Schüler oftmals Analphabeten sind. Der Guru darf kein Geld für seinen Tätigkeiten verlangen, wird aber oftmals, da er keinen festen Lebensunterhalt hat, mit teuren Geschenken und Spenden seiner Schüler versorgt. Die Aufgaben eines Gurus sind insbesondere durch Erfüllung des dharma (Gesetz / Ordnung / Recht / Rechtschaffenheit / Sitte / Pflicht / Religion / Tugend) die Befreiung des Schülers aus dem leidvollen Kreislauf der Wiedergeburten (moksa) oder ihm eine günstigere Wiedergeburt zu verschaffen. Der Guru lebt häufig in einem sogenannten asrama.
Im westlichen Kontext hat die Bezeichnung Guru oftmals eine andere, inkorrekte Konnotation, wohl jedem bekannt ist ein sogenannter Gesundheitsguru oder auch ein Börsenguru. In diesem Zusammenhang kann ein Guru einfach ein Fachmann mit überdurchschnittlichen Wissen und langer Erfahrung auf und in einem Gebiet oder auch ein geistiges Idol sein. In dieser Verwendung wird die Bezeichnung manchmal auch abwertend oder spöttisch gemeint. Dieser Gebrauch des Wortes Guru hat jedoch nichts mit seiner eigentlichen Bedeutung zu tun. Wichtigstes Merkmal eines Guru ist seine charismatische Ausstrahlung, neben seinen didaktischen Kompetenzen, Geduld, Autorität, Gelassenheit, Weisheit, persönlicher Erfahrung und der Fähigkeit die heiligen Texte lesen zu können. Theoretisch kann also jeder, der diese Eigenschaften aufweist, von denen Charisma vielleicht sogar die Wichtigste ist, ein Guru werden, egal ob Mann oder Frau. Oftmals wird ein Guru wie ein Gott verehrt. Er stellt eine Autorität (adhikara) dar. Der Begriff Guru taucht zum ersten Mal in den frühen Upanischaden, philosophische Schriften aus dem 6. Jahrhundert vor Christus auf. Das Wort „upanischad“ bedeutet wörtlich „sich zu Füßen (des Gurus) setzen“. Formal handelt es sich dabei um einen philosophischen Dialog zwischen einem Guru und einem Schüler. Der Guru beantwortet dabei die Fragen des Schülers.Der Guru ist der Verleiher des Wissens, vidya. In den heiligen Schriften gilt er als Vertreiber der geistigen Dunkelheit (avidya).Ursprünglich bezeichnete man mit Guru den leiblichen Vater, der die religiöse Erziehung seines Sohnes vornahm, ihm Teile des Veda lehrte und für ihn die Übergangsriten, die samskaras, arrangierte. Mit der Zeit wurde der Vater als Lehrer von religiösen Spezialisten (Hauslehrer) abgelöst, die ursprünglich nur die Söhne der oberen drei Kasten (Varna) in vedischer Zeit lehrten, im religiösen und ethisch-sozial korrekten Verhalten aber auch in den Realwissenschaften unterrichteten. Artikel komplett lesen…