Schlagwort: 'Religionswissenschaft Bremen'

von Daniel von Frieling

Methodik

Vom lateinischen Nomen receptio „Aufnahme“, „Annahme“ und dem dazugehörigen Verb recipere „aufnehmen“ hergeleitet (vgl. Wahrig; 1997; S. 1032), bezeichnet Rezeption unter anderem die Aufnahme, beziehungsweise das Verstehen literarischer Werke durch den Rezipienten.[1] Im Gegensatz zur Rezeptionsästhetik, die die Wirkung eines Kunstwerks auf den Betrachter fokussiert, bezeichnet Rezeptionsgeschichte die historische Rekonstruktion der Wirkung eines Kunstwerkes zu verschiedenen Zeiten, an unterschiedlichen Orten, auf ein ‘bestimmtes Publikum’ (vgl. Wahrig; 1983; S. 382). Die rezeptionsgeschichtliche Methode betrachtet somit die Beurteilung eines Kunstwerkes zum Zeitpunkt der Entstehung und Veröffentlichung (synchron), wie auch historisch (diachron). Das Urteil der Rezipienten kann deshalb unterschiedlich ausfallen (vgl. Stückrath, 1979, S. 24 f.). Als ‘empirische Mittel’ im ‘Bezugssystem der Erwartung’, welche die psychologische Reaktion, wie auch das subjektive Vorverständnis der Leser (‘transsubjektiver Horizont’) ergründen sollen, nennt Jauß das ‘Vorverständnis der Gattung’, die ‘Form und Thematik zuvor bekannter Werke’ und den ‘Gegensatz von poetischer und praktischer Sprache’. Jauß betont hierbei ein ‘dialogisches Verhältnis’, dass er zwischen Werk und Publikum situiert (vgl. Jauß, 1970, S.171 ff.). Der Gegensatz von ‘ poetischer und praktischer Funktion der Sprache’ erzeuge einen Gegensatz von ‘Fiktion und Wirklichkeit“, demzufolge

„der Leser ein neues Werk sowohl im engeren Horizont seiner literarischen Erwartungen als auch im weiteren Horizont seiner Lebenserfahrungen wahrnehmen kann“ (vgl. Jauß, 1970, S.177).

„Die Art und Weise, in der ein literarisches Werk im historischen Augenblick seines Erscheinens die Erwartungen seines ersten Publikums einlöst, übertrifft, enttäuscht oder widerlegt, gibt offensichtlich ein Kriterium für die Bestimmung seines ästhetischen Wertes [A.d.V.: auf synchroner Analyseebene] her“ (vgl. Jauß, 1970, S.177f.).

Der Autor reagiert deshalb zum einen kreativ auf den zeitgenössischen Betrachter und tritt weiterhin als Rezipient in Erscheinung, dessen Eigenleistung als Produkt vorangegangener Rezeptionen unter Anwendung der rezeptionsgeschichtlichen Methode betrachtet wird. Da Marianne Fredriksson biblische Motive aus Gen 2,4b-4,17 in ihre Erzählung integriert, stellt sich für eine rezeptionsgeschichtliche Analyse des Romans Eva die Frage, welche Elemente die Autorin rezipiert bzw. nicht-rezipiert oder transformiert hat. Anhand der so illustrierten Fredriksschen Transformation der biblischen Vorlage könnten die beobachteten Rezeptionsmuster im Rahmen weiterführender Studien synchron wie diachron analysiert und interpretiert werden und möglicherweise den ästhetischen Wert des Untersuchungsgegenstandes ergründen. Im Rahmen dieser Ausarbeitung sollen einzig biblische Rezeptionsmuster des betreffenden Romans herausgearbeitet werden, welche die Autorin rezipierte, nicht-rezipierte bzw. transformierte.

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Fragestellung und Vorgehen

In diesem Essay wird die Handlungsanalyse nach FAULSTICH [1] auf den Film Salomon und die Königin von Saba angewendet, deren Ziel ist es, eine exemplarische Handlungsanalyse einer Anfangssequenz des Films zu erstellen. Wir beginnen mit einer kurzen Inhaltsangabe des Films sowie einer Kritik. Danach wird die Methode der Handlungsanalyse erläutert, um in Form eines ausschnitthaften Film- und Sequenzprotokolls praktisch umgesetzt und abschließend betrachtet zu werden. Artikel komplett lesen…

Im viktorianischen Sprachgebrauch des 18. und 19. Jh. beschrieb der Begriff ‘Tantrismus’ die Andersartigkeit der indischen Kultur anhand einer Vielzahl unterschiedlicher Phänomene. Gegenwärtig, als Terminus in westlichen Kulturen verwendet, dient ‘Tantra’ als Begriffskategorie, welche unter anderem sexuelle Praktikenmonistische WeisheitslehrenYogaerotische Massagen, ‘ekstatische Rituale‘ und vieles andere als tantrisch definiert. Es besteht dabei keine einheitliche Begriffsdefinition. Wie jedoch der umfassende, als ‘tantrisch’ verstandene Bereich im Laufe der Jahrhunderte entstanden ist, versucht das nachfolgende Essay anhand des u.g. Aufsatzes von Hugh B. Urban zur orientalistischen Konstruktion des ‘Tantrismus’ im 18., 19. und beginnenden 20. Jh. zu erläutern, um schließlich zu verdeutlichen, dass jegliche begriffliche Definition als menschliches Konstrukt, historisch, politisch, sowie soziokulturell geprägt und in stetem Wandel begriffen ist. Artikel komplett lesen…