Die Analyse der medialer Angebote, ihrer Beschaffenheit und implizit oder explizit vermittelter Inhalte ist ein zentrales Thema der Forschung zu Religion im Internet, das im NOWETAS-Workshop mit verschiedenen Inputs behandelt wurde. Daneben kann aber bei der Arbeit zu “Religionswissenschaft zwischen 0 und 1“ eine weitere Fragestellung relevant werden: die nach der Rezeption und Aneignung der Online-Inhalte durch ihre Nutzer. Unter der Perspektive einer praxeologischen Rezeptions- und Aneignungsforschung stellte Dr. Alexander Geimer eine mögliche Herangehensweise an Forschungsfragen rund um solche Aneignungsprozesse vor. Ich möchte im Folgenden vor allem diesen Ansatz einführend skizzieren. In Ergänzung dazu werde ich abschließend auf die Anwendung dieses Ansatzes bei der Rezeptionsforschung zu Online-Inhalten eingehen und hier einige Punkte aufwerfen, die mir besonders zentral erscheinen.1
Praxeologische Rezeptions- und Aneignungsforschung
Welche grundlegenden Ideen beinhaltet das Konzept der praxeologischen Rezeptions- und Aneignungsforschung? Forschungsfeld dieses Ansatzes sind die Prozesse, mit denen sich Menschen mediale Inhalte bzw. ein mediales Angebot aneignen – etwa, wie in den Forschungen des Referenten, Kino-Blockbuster.
[Der Fokus auf Filmrezeption] Filme sind allgegenwärtiger Bestandteil unserer Alltagskultur – nicht nur, indem wir sie sehen, sondern auch, indem wir darüber sprechen oder andere Bestandteile unserer Kultur Bezug auf sie nehmen. Nach den Grundfragestellungen der praxeologischen Rezeptions- und Aneignungsforschung interessiert aber nicht der Film als mediales Produkt mit seiner Machart oder seinen Aussagen; im Mittelpunkt steht vielmehr die Bezugnahme von Menschen auf Filme – etwa „Was machen Jugendliche mit Filmen? Was machen Filme mit Jugendlichen? Was lassen Jugendliche durch Filme mit sich machen?“ (Geimer 2010, 16)
Was passiert, wenn der Mensch stirbt? Was passiert mit den menschlichen Überresten? Ist das Leben nach dem Tod beendet? Ist der Tod vielleicht doch nur der Übergang in eine andere Seinsform?
Ich wage zu behaupten, dass dies die zentralen Fragen sind, die eine Kultur oder eine Religion versuchen muss zu beantworten, in der Vergangenheit, in der Gegenwart, wie auch in der Zukunft. Menschen haben zu jeder Zeit die Erfahrung gemacht, dass sie nicht alles, was in der Welt passiert, erklären können. Der Tod eines Menschen stellt dabei eine ganz entscheidende Erfahrung dar. Eine geliebte Person stirbt und ist damit nicht mehr zugänglich, man kann nicht mehr mit ihr kommunizieren, keine Zeit mehr mit ihr verbringen. Unter Umständen kann dies eine sehr schmerzvolle Erfahrung sein, die der Mensch nicht einfach so akzeptieren kann. Religionen liefern ganz unterschiedliche Ansätze und Bewältigungsstrategien. Ich habe bei außerkirchlichen Bestattungen heutzutage erlebt, dass selbst diese nicht von einer Endgültigkeit des Todes reden können. Selbst weltliche Trauerredner versuchen mit der Aussicht auf ein Wiedersehen Trost zu spenden. Es gibt Menschen, die an eine Wiedergeburt in einem anderen Körper, Tier oder einer Pflanze glauben, andere an einen Himmel und Hölle, andere glauben wiederum an ein Nirwana oder die Erlösung aus dem Leid der Welt. Postmortalitätsvorstellungen können sehr unterschiedlich aussehen, sind abhängig vom kulturellen Kontext und unter anderem können sie einem durchschnittlichen Mitteleuropäer sehr abwegig vorkommen. Im Seminar „Postmortalitätsvorstellungen“ in diesem Sommersemester an der Universität Bremen haben wir versucht, uns verschiedenen Traditionen zu nähern und diese zu verstehen. In diesem Blogeintrag möchte ich nun versuchen, zwei Ansichten gegenüber zu stellen; die der Germanen und die der Kelten. In diesen beiden Volksgruppen treten teilweise die gleichen Phänomene und kleinere Ähnlichkeiten auf, so dass man fast der Ansicht sein könnte, dass es sich um die gleichen Überzeugungen handelt.
Was kommt nach dem Tod, was ist überhaupt der Tod und wann kann ein Mensch als tot bezeichnet werden. Auf den ersten Blick scheint v. a. die letzte Frage in der heutigen Zeit leicht zu beantworten, wurde doch im Rahmen der Organtransplantationsdebatte der sog. Hirntod als feststehende Todesdefinition in der Medizin eingeführt. Wie sieht es aber in anderen Kulturkreisen aus? Die diversen religiösen Traditionen geben ganz unterschiedliche Antworten auf diese Fragen. Aber auch in Deutschland lassen sich in den gesellschaftlichen Debatten über Themen wie Organtransplantation, Sterbehilfe usw. unterschiedliche Positionen und Vorstellungen ausmachen, die einem einheitlichem Bild – wie es die Einführung der Hirntoddefinition suggeriert – widersprechen: Vgl. beispielsweise die Artikel der FAZ, der TAZ oder andere. Es wird deutlich, dass Konzeptionen und Vorstellungen von ‚Tod’ und ‚Sterben’ keine Attribute einer conditio humana präsentieren, sondern kulturell und gesellschaftlich konstruiert sind und dynamischen Prozessen unterliegen.
Das Seminar wird sich exemplarisch verschiedenen religiösen Traditionen widmen und diese auf postmortale Vorstellungen befragen. Aber auch in den modernen Massenmedien erfreut sich das Thema „Tod“ mit Serien wie „True Blood“ und „Twilight“ großer Beliebtheit und wird mit in den Untersuchungsbereich einbezogen werden. Artikel komplett lesen…