
von Christoph Rahn
Die mythologische Figur der Göttin Satī (auch bekannt als Dakșayanī) findet Erwähnung in vielen heiligen Texten des Hinduismus. Neben dem wohl bekanntesten indischen Epos, dem Mahābhārata, behandeln vor allem die altindischen Geschichtswerke, die Purānas, den Mythos der treuen Ehegattin Śivas und deren Wirken und tiefgreifendes Empfinden für moralisches Verhalten. So gilt sie – wie nur wenige andere Charaktere in der hinduistischen Literatur – als Sinnbild für Aufrichtigkeit, Mut und Rechtschaffenheit gegenüber sozialer Ungerechtigkeit und patriarchalischer Unterdrückung.
In den Purānas erscheint ihre Geschichte in unterschiedlichster Art und Ausprägung und es gestaltet sich schwierig, ein homogenes Bild zu entwerfen. Ihr Charakter und ihre Handlungsweise zeigen sich ambivalent und in hohem Maße abhängig von geographischen und religionsgeschichtlichen Einflüssen der jeweiligen Erzählung. Dennoch aber lassen sich Parallelen in den Erzählungen feststellen. Vor allem das Kālikāpurāna erweist sich als aussagekräftige Quelle, um wesentliche Charakterzüge Satīs zu skizzieren. Es zeichnet einerseits das Bild einer gefühlvollen und treuen Gefährtin. Auf der anderen Seite aber auch den Charakter einer kraftgeladenen Göttin, die stürmisch agiert und wütend bestraft… Artikel komplett lesen…
Viele Menschen des Westens behaupten von sich selbst, Tantriker zu sein oder mit tantrischen Einflüssen in Verbindung gekommen zu sein. Dabei, so sagt Francis King, praktizieren sie wilde Sexualpraktiken oder betreiben maßlosen Drogenkonsum und glauben von sich selbst, ein religiöses Motiv zu verfolgen. Diese selbstbezeichneten Tantriker sollte man mit äußerster Skepsis betrachten, denn sie haben nach King nicht den Sinn der Aussage im Tantra verstanden, der auf die innere Befreiung der vorhanden Energiepotenziale abzielt. Doch was macht einen wahren Tantriker aus? Gibt es Techniken, die jeder Tantriker beherrschen sollte? Und wenn ja, wie sehen diese aus? Artikel komplett lesen…

Es gibt viele Versuche, Tantra zu erklären: sowohl im Osten als auch im Westen. Verschiedene Gesichtspunkte wurden im Laufe der Verbreitung und Bekanntmachung des Tantra in Europa immer wieder besonders hervorgehoben. Der Engländer und Orientalist Arthur Avalon, ein britischer Richter in Indien und Rechtsprofessor an der University of Calcutta, hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, was Tantra für den Westen bedeutet und wie er dort praktiziert wird. Zudem hat er in Indien praktische Erfahrungen gesammelt und sich im Tantra unterrichten lassen. Arthur Avalon (benannt nach der keltischen Sage) wurde unter dem Namen John Woodroffe als Sohn eines Bengaler Anwalts geboren. Nach einem erfolgreichen Studium am University College in Oxford, nahm er eine Stelle als Advokat in Kalkutta an, der Hauptstadt Bengalens. Er wurde Professor an der University of Calcutta. 1902 wurde er Berater der indischen Verwaltung und zwei Jahre später Richter am Calcutta High Court. 1915 wurde er zum Präsidenten dieses Obergerichts ernannt. Nach seiner Rückkehr nach London lehrte er indisches Recht an der University of Oxford. Nach seiner endgültigen Pensionierung lebte er in Frankreich, wo er 1936 starb. Avalon war an indischer Philosophie interessiert und studierte Sanskrit. Er vertiefte sich mit Hilfe eines indischen Gurus in die Lehre des tantrischen Shaktismus (Shaktismus ist einer geläufigen Einteilung zufolge eine der drei großen Hauptrichtungen des Hinduismus neben Shivaismus und Vishnuismus, die die Göttin Shakti quasi monotheistisch als Erlösungs- und Muttergottheit verehrt) und veröffentlichte mehrere Schriften darüber.
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