Schlagwort: 'Wiedergänger'

Als am 19.12.2001 der Film “Der Herr der Ringe” unter der Regie von Peter Jackson die Kinoleinwand erreichte, fiel der Blick tausender Leser auf die 1954 erschienene Fantasy-Trilogie des Oxford-Professors J.R.R. Tolkien. Seither tauchen viele Menschen ein in die Welt Mittelerdes, begegnen dort Elben und Zwergen, Zauberern und Hobbits, Orks, Trollen und vielen anderen Wesen einer fremden Welt. Gemeinsam mit dem Hobbit Frodo machen die Leser sich auf, um den einen Ring in das gefürchtete Land Mordor zu bringen, ihn dort in die Flammen des Schicksalsberges zu werfen und so die Macht Saurons, die untrennbar mit dem Ring verbunden ist, zu brechen.

Es ist faszinierend, in die bis ins Kleinste durchdachte Welt und Geschichte Mittelerdes einzutauchen, in der auch die Trilogie “Der Herr der Ringe” nur einen Teil einnimmt. Die weitere Lektüre der Bücher “Der kleine Hobbit” oder “Das Silmarillion” lässt erahnen, wie groß die Welt Tolkiens ist (Shippey 2002, S.31), und weckt Ehrfurcht vor dem Autor, der sie erschuf.

Ein genauerer Blick in den “Herrn der Ringe” sowie in die europäische Geschichte, Märchen und Mythen lässt jedoch erkennen, dass Mittelerde keine von Grund auf neu erschaffene Welt ist. Wie das Buch “Tolkiens Welt – Die mythologischen Quellen des Herrn der Ringe” von David Day (2003) zeigt, fand Tolkien unter anderem in der altnordischen Mythologie, in germanischen, griechischen, römischen und biblischen Geschichten, in den Märchen der Gebrüder Grimm sowie in Völkern und großen Feldherren der europäischen Geschichte zahlreiche Vorbilder für seine Figuren im “Herrn der Ringe” (Day 2003, S.6). Auch Mittelerde selbst ist keine rein erdachte Landschaft sondern ähnelt einem Europa in früheren Zeiten, in dem Großbritannien noch nicht durch Kontinentalverschiebungen von Mitteleuropa getrennt ist (Day 2003, 15ff). Tolkien, der ein immenses Interesse und Wissen an Geschichte, Mythos und Sprache hatte (Geier 2009, S. 8), hat all diese Figuren, Geschichten und historischen Ereignisse aufgegriffen, neu geordnet und zu einer großen Mythologie Europas verarbeitet, wie sie in einem früheren Zeitalter hätte sein können. Er hat sich keine völlig neue Geschichte ausgedacht, sondern unsere Geschichte in einen anderen Blickwinkel gerückt und damit seinen Lesern neu zugänglich gemacht (Day 2003, 13).

Artikel komplett lesen…


Was passiert, wenn der Mensch stirbt? Was passiert mit den menschlichen Überresten? Ist das Leben nach dem Tod beendet? Ist der Tod vielleicht doch nur der Übergang in eine andere Seinsform?

Ich wage zu behaupten, dass dies die zentralen Fragen sind, die eine Kultur oder eine Religion versuchen muss zu beantworten, in der Vergangenheit, in der Gegenwart, wie auch in der Zukunft. Menschen haben zu jeder Zeit die Erfahrung gemacht, dass sie nicht alles, was in der Welt passiert, erklären können. Der Tod eines Menschen stellt dabei eine ganz entscheidende Erfahrung dar. Eine geliebte Person stirbt und ist damit nicht mehr zugänglich, man kann nicht mehr mit ihr kommunizieren, keine Zeit mehr mit ihr verbringen. Unter Umständen kann dies eine sehr schmerzvolle Erfahrung sein, die der Mensch nicht einfach so akzeptieren kann. Religionen liefern ganz unterschiedliche Ansätze und Bewältigungsstrategien. Ich habe bei außerkirchlichen Bestattungen heutzutage erlebt, dass selbst diese nicht von einer Endgültigkeit des Todes reden können. Selbst weltliche Trauerredner versuchen mit der Aussicht auf ein Wiedersehen Trost zu spenden. Es gibt Menschen, die an eine Wiedergeburt in einem anderen Körper, Tier oder einer Pflanze glauben, andere an einen Himmel und Hölle, andere glauben wiederum an ein Nirwana oder die Erlösung aus dem Leid der Welt. Postmortalitätsvorstellungen können sehr unterschiedlich aussehen, sind abhängig vom kulturellen Kontext und unter anderem können sie einem durchschnittlichen Mitteleuropäer sehr abwegig vorkommen. Im Seminar „Postmortalitätsvorstellungen“ in diesem Sommersemester an der Universität Bremen haben wir versucht, uns verschiedenen Traditionen zu nähern und diese zu verstehen. In diesem Blogeintrag möchte ich nun versuchen, zwei Ansichten gegenüber zu stellen; die der Germanen und die der Kelten. In diesen beiden Volksgruppen treten teilweise die gleichen Phänomene und kleinere Ähnlichkeiten auf, so dass man fast der Ansicht sein könnte, dass es sich um die gleichen Überzeugungen handelt.

Artikel komplett lesen…